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Sebastian Ulrich / Gauri / Josef Jöchl / Urlaub

Comedy-Newsletter von Setup/Punchline

Hello again.

Achtung, tougher Newsletter-Start: Repräsentation und Diversität sind wichtig. You can’t be what you can’t see, liest man dazu oft. Einen Satz, der übrigens nicht von Beyoncé stammt, wie oft kolportiert, der aber trotzdem stimmt. Menschen ahmen Menschen nach, so funktionieren Erziehung und Sozialisation. Plakatives Beispiel: Wenn Mädchen nur Bilder von Prinzessinnen vermittelt bekommen, wie werden sie wohl sein wollen?

Was mich dann direkt zum deutschen Kabarett führt. Auch das hat nämlich ein Problem mit der Repräsentation. You can’t be what you can’t see – und in Deutschland sieht man so gut wie nie: lustiges Kabarett. Nicht falsch verstehen, das ist kein Jammer über mangelnde Qualität. Es ist eine Beobachtung: Im Kontext Kabarett geht es in Deutschland selten um Lustigkeit.

Ein paar Beispiele aus den vergangenen Wochen: Es wurde über Dieter Nuhr und die DFG diskutiert, über Lisa Eckhart und angebliche cancel culture oder über Florian Schröders Coup, bei einer Demo gegen Corona-Maßnahmen aufzutreten. Wenn Kabarettisten in deutschen Medien auftauchen, geht es in der Mehrzahl der Fälle um irgendwas – aber nicht um Kabarett, Humor oder Kunst. So wurde über Jahrzehnte ein Publikum konditioniert, bei Kabarett viel zu erwarten, aber nicht notwendigerweise etwas Lustiges. Und auch potenzieller Nachwuchs wurde konditioniert: So hat man offenbar zu sein, wenn man Kabarettist:in ist.

Eine ziemliche Bürde für eine Kunstform, die ja durchaus von sich behauptet, unterhalten zu wollen. Ich vermute: Schafft es das Kabarett nicht, sich von ihr zu befreien, wird es als Kunstform keine Zukunft haben.

Neu bei Setup/Punchline

In der newsletterfreien Zeit hat sich doch ein bisschen was angesammelt. Falls ihr es nicht mitbekommen habt: Im Podcast gab’s drei Folgen (mit Josef Jöchl, Gauri und Sebastian Ulrich). Nun ist Pause, im Herbst geht es weiter.

Mit Comedian Till Reiners habe ich über seinen Podcast Jokes auf Spotify gesprochen, in dem er Comedy-Schaffende wie Christian Ulmen oder Hazel Brugger zu Gast hat. Hier findet ihr das Interview.

Auf Youtube gibts immer mehr deutschsprachige Stand-up zu sehen. Neben Angebote wie Stand-up 44 oder Späti Comedy tritt nun der Chaos Comedy Club und legt das Format Fun’s not Dead auf. Hier geht’s zur Nachricht.

Comedy-News

  • Kleiner Nachtrag zum deutschen Kabarett oben: Ein Auftritt der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart in Hamburg wurde abgesagt, wegen angeblicher Gewaltandrohungen, die es dann aber doch nie gegeben hatte. Hauptsache, alle reden wieder über cancel culture.
  • Noch ein Nachtrag über das deutsche Kabarett, angesichts dieses Kommentars beim Deutschlandfunk. Autor Philipp Hübl stellt die These auf, dass Dieter Nuhr deswegen so umstritten ist, weil er eben „auch der links-progressiven Bubble den Zerrspiegel vorhält“. Ich bezweifle das stark. Ich glaube, dass in dieser hyper-reflektierten Meta-meta-Zeit niemand mehr ernsthaft überrascht ist von den Worten irgendeines Kabarettisten. Und die Generation Y z. B. ist dermaßen mit sich selbst beschäftigt – das Letzte, was die braucht, ist ein Spiegel zur Selbsterkenntnis. Dass Narrativ vom Künstler, der „schon die Richtigen getroffen“ hat und wohl recht haben wird, weil er Widerspruch bekommt, ist ein Zirkelschluss und sollte nicht die inhaltliche Beschäftigung mit den jeweiligen Aufregern ersetzen.
  • Ehemalige Beschäftigte werfen Comedienne und Talkshow-Host Ellen De Generes vor, eine toxische Arbeitskultur zu befördern. Unter anderem soll es Kündigungen nach Krankheitstagen gegeben haben. Eine Kollegin gab gegenüber Buzzfeed an, wegen permanenter Kommentare über ihr nicht-weißes Erscheinungsbild gekündigt zu haben. Da ist es natürlich ungut, wenn man mit dem Slogan Be kind! eine weltweite Medienmarke aufgebaut hat. Bei der Aufarbeitung der Vorwürfe tut sich De Generes indes schwer.
  • Comedienne Liz Barrett gibt bei The Interrobang Tipps für den Umgang mit Arbeits- und Beschäftigungslosigkeit in einer schwierigen Zeit. Und bei Fast Company beschreibt Comedian Steve Hofstetter, was er gelernt hat, indem er sieben Monate Jobs verlor.

Lese-Tipp: The Authentic Comedian

The Authentic Comedian von Caroline Clifford

Comedienne Caroline Clifford schreibt ein Buch über Authentizität und die Stimme von Comedians und postet regelmäßig einzelne Segmente davon auf Medium. Lesenswert für alle, denen Jokewriting zu technisch ist und die einen anderen Zugang zu Stand-up suchen.

>>> Hier geht es zum Newsletter-Archiv.

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