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Comedypreis / Open Mics draußen / Rhythms of Comedy

Comedy-Newsletter von Setup/Punchline

Comedy-Steuer.

Die Bedeutung des Deutschen Comedypreises kann man in Frage stellen. Der Tagesspiegel hat es vor einigen Jahren etwa mal kundig getan und den Preis eine „Werbemaschine“ genannt, „die sich als Preisverleihung tarnt“. Ich blieb trotzdem kurz hängen, als ich die Nachricht las: Dieses Jahr sollen die Preisträger nicht von einer Jury bestimmt werden, sondern per Publikumsabstimmung. Was, frage ich mich, wird also hierbei wohl herauskommen?

Nun, so leid mir das tut für meine Berliner Stand-up-Veteranen und meine Münchner Open-Mic-Gloifeln (kleiner Bavarismus): Wahrscheinlich gewinnen die, die viele Fans haben, mithin also schon bekannt und groß sind. Die Strukturen nützen denen am meisten, denen sie schon genützt haben. Verdient haben die Sieger:innen es dann ohne Zweifel. Aber der Preis ist so halt noch mehr reines Fan-Event als ohnehin schon, ein Mittel zum Zweck, eine Show zu verkaufen. Auf keinen Fall sollte man ihn mit Comedyförderung oder -entwicklung verwechseln.

Um diese Ungleichheit zu beheben, brauchen wir also unbedingt so etwas wie einen Comedy-Haushaltsausgleich. Wer zu bekannt und zu erfolgreich ist, muss Fans abgeben, die wiederum werden nach einem fairen Schlüssel auf unbekannte Comedians vert… ach, vielleicht ist es auch nur eine wilde Schnapsidee im Sommer. Bis es so weit kommt, könnt ihr aber auf jeden Fall was tun: zum Beispiel eure lokalen Comedians supporten. Manche von denen werden nie einen Preis gewinnen, aber ich glaube, dass muss wirklich nichts heißen.

Neu bei Setup/Punchline

… gab es in der Zwischenzeit nichts. Ich bin zwar nicht untätig und vieles liegt herum. Aber nichts davon ist fertig. Ich werde wohl alles dann ohne Plan und Ordnung auf einen Schlag im September veröffentlichen.

Was ich zurzeit an Comedy (wieder) gesehen und gehört habe, vielleicht inspiriert das jemanden von euch: 3 in the Morning von Sam Jay, Falling Off the Bone von Todd Barry, I Have a Pony von Steven Wright, German Humor von Shahak Shapira, Strategic Grill Locations von Mitch Hedberg, The Crowd Work Special von Andrew Schulz, viel Gerhard Polt und Biermösl Blosn (how did that happen?) und unzählige Youtube-Schnipsel von Kristen Schaal und Rachel Mac. Serienmäßig hat mich Jane the Virgin total gepackt, eine Meta-Telenovela. Und either you get it or you don’t: Mich lassen die Clips aus Tim Robinsons I Think You Should Leave wie der hier meist vollkommen zerstört zurück, so sehr muss ich dabei lachen.

Comedy-News

  • Live-Comedy in New York is back! Aber draußen. Und zwei renommierte Comedy-Journalisten schreiben darüber, Jesse David Fox bei Vulture und Jason Zinoman in der NY Times.
  • Erobert Netflix den deutschen Comedy-Markt? Fragt das Youtube-Format Walulis, führt kompakt ein in die deutsche Szene und mutmaßt, warum Netflix eigentlich bislang bei Stand-up so zögerlich war. Ich würde noch hinzufügen: Netflix hat erst vergangenes Jahr ein Deutschlandbüro eröffnet, davor wurde die deutsche Comedy von Amsterdam aus betreut. Von Amsterdam aus zeichnen sich natürlich Köpfe wie Atze Schröder oder Ingo Appelt deutlicher ab als alternativere Stand-up-Comedians.
  • Die Süddeutsche Zeitung wirft einen humortechnischen Blick auf die Gags von Lisa Eckhart und Dieter Nuhr. Mich nervt die Wut des Verstehens ein wenig, die streitbaren Figuren oft entgegenschlägt. Aber der Artikel ist gar nicht verkehrt. Andererseits: Für den Autor des Artikels bedeutet Humor aus Deutschland eben zum Beispiel Kabarett, ferner „die Kollegen von der ZDF-Satiresendung Die Anstalt und die Heute-Show und Carolin Kebekus und Mario Barth und die Zeitschrift Titanic und Diverses, woran der erfolgreichste deutsche Gagschreiber Micky Beisenherz beteiligt ist […].“ Der Autor war ganz offensichtlich noch nie bei Kotti Komedy oder Ja&Weiter. Schleunigst hin!
  • HBO gibt sich im Kampf ums Stand-up-Streaming gegen Netflix längst noch nicht geschlagen und hat erst wieder drei neue Specials angekündigt: nämlich mit Colin Quinn, Phoebe Robinson und Aida Rodriguez.
  • Bei Vulture wirft Sam Corbin einen Blick auf die Bedeutung des Radios, insbesondere der von Audio-Sketchen, bei der Evolution der Comedy. Berühmtheiten wie Jack Benny, Bob Hope oder Groucho Marx begannen dort ihre Karrieren. „Audio is one of the only ways of consuming scripted comedy that gives the imagination license to collaborate […].“

Tiktok-Tipp: Rhythms of Comedy

rhythms of comedy

Josh Harmon spielt auf Tiktok Schlagzeug zu Stand-up-Bits, etwa von John Mulaney oder Ali Wong. Ich weiß nicht genau, ob das einen Mehrwert hat. Auf jeden Fall zeigt es, was für eine unglaublich rhythmische (sogar polyrhythmische, holy shit) Kunstform Stand-up ist. >>> Hier geht’s zu den Clips

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