Alle Artikel mit dem Schlagwort: Louis CK

Der Comedy-Newsletter von Setup/Punchline: News über Stand-up, Comedy und Kabarett

Fett und Fett / Katie Mears / Ari Shaffir

Low status. … is where comedy lives. Dieser kurze Satz kann erklären, warum zum Beispiel Witze über Jugendliche, die sich bei Fridays For Future engagieren, oft so krampfig daherkommen. Es ist eben auch entscheidend, wer da spricht, nicht nur, was gesagt wird. Und wer junge Menschen schulmeistert, ist eben ein Schulmeister, auch wenn das Schulmeistern im Modus des Witzes geschieht. Ihr Jugendlichen macht mir Angst und ich schäme mich vor mir selbst! Das ist etwas, was niemand sagt, schon gar nicht auf Bühnen. Aber wie viel kraftvoller wäre das, würden Mittvierziger/Boomer/ältere Menschen so reden. Es wäre low status. Es wäre aufrichtig. Es könnte die Prämisse für großartige, wahrhaftige Witze sein. Comedy is about truth and pain. Noch so ein Spruch. Vergangene Woche konnte man das live miterleben, in der Talkshow von Markus Lanz: Der Comedian Atze Schröder entschuldigte sich bei einer Holocaust-Überlebenden für die Verbrechen seines Vaters. Schröder weinte, die Stimme brach ihm weg. Und währenddessen trug er die Perücke und die Proleten-Sonnenbrille, also die Verkleidung, die er trägt, wenn er Atze Schröder spielt. Sehr …

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Louis CK / Pete Davidson und Zuschauerkontrolle / Ali Wong / Heroes

Darf der das? Als Germanistik-Student habe ich einmal etwas sehr Verwegenes getan. In den Medien war gerade wieder die Debatte am Laufen, ob schlimme Menschen gute Kunst produzieren können. Und ich wollte es nun ein für alle Mal wissen und kaufte mir in einem Antiquariat den Roman Michael von Joseph Goebbels. Ja – der Goebbels. Ich war gespannt: Könnte es sein, dass so ein Mensch auch zu feinen Gedanken fähig ist? In diese Ambivalenz wollte ich eintauchen. Da merkt man als Germanist erst so richtig, dass man lebt. Was soll ich sagen? Goebbels verwendete als Autor eindeutig zu viele Ausrufezeichen, was ja nie ein gutes Zeichen ist. Und auch der Rest ist wirklich lächerlich schlecht. Man kann, das als Tipp, drauf verzichten, den Roman zu lesen. Was anderes wäre es, würde sich heute rausstellen, dass Goethe in einen schlimmen Skandal verstrickt war. Oder Bach oder Beethoven. Ihr Einfluss war riesig, es gab zahlreiche Epigonen. Man könnte sie aus der Kulturgeschichte nicht einfach aussparen. Was uns zum Fall Louis CK führt. Ob CK, der sich wegen …

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Comedy vs. Kunst / Ingrid Wenzel / Streaming Wars

Banalitätsverdacht. Ein Freund schrieb mir vor kurzem, das mit dem Stand-up-Magazin sei ja schön und gut, aber er habe sich beim Lesen parallel erstmal durch das Begriffsdickicht googeln müssen. Recht hat er. Der Jargon ist voller Anglizismen (Spot, Line-up, Punchline) und obendrein nicht unbedingt intuitiv: Bomben ist negativ, Killen positiv? But why? Es ist zwar keine riesige Schwelle, aber immerhin eine Schwelle. Schon klar, dass sich manche dann eher abwenden als Jokes zu bouncen. Für ein kleines Comedy-Lexikon habe ich darum ein paar Begriffe zusammengetragen. Die Definitionen sind nicht hochoffiziell, schließlich gibt es keine DIN-Norm für Comedy (noch nicht!). Aber man kann sich mit der Liste einen ersten Überblick verschaffen. Falls jemand fragt: Auf den in der deutschen Kulturlandschaft sehr wichtigen Begriff „Banalitätsverdacht“ habe ich verzichtet. Ein blöder Begriff, der den Umgang mit vermeintlich banalen Dingen wie Comedy in Deutschland auf den Punkt bringt: Er nimmt eine Abwertung vor und suggeriert obendrein, dass das vermeintlich Banale verdächtig und anrüchig ist. Schon schade. Denn erstens kann auch das Banale sehr kunstvoll sein. Und zweitens ist das …