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Maja Stinnen / Jakob Schreier / Comedy Without Errors

Comedy-Newsletter von Setup/Punchline

Dit is Goethe, wa?

Auf den letzten Newsletter habe ich viele Rückmeldungen bekommen mit der Bitte, ich solle doch noch intensiver auf die 2000er-Serie Berlin Berlin eingehen. (Oder war’s doch nur eine? Oder hab ichs geträumt? Wer kann das schon sagen…) Auf jeden Fall bin ich mittlerweile in der vierten Staffel angelangt und halte es serientechnisch mit Goethe: himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt.

Berlin Berlin hatte Ideen. Wie schön war das zum Beispiel, zwei Charaktere zu untertiteln, die beim Zähneputzen einen Dialog führen. Aber die Ideen gingen mit der Zeit offenbar aus bzw. wurden ausgeschlachtet und zerfleddert, Charaktere, die man meinte, zu kennen, handelten unmotiviert, merkwürdig oder gezwungen albern. Und ich sitze auf dem Sofa und rufe ins Wohnzimmer „Man lache nicht!“, wie einst Goethe ins Weimarer Nationaltheater, weil das Publikum mal wieder nicht den Unterschied zwischen Trag- und Komödie kapierte.

Scheint ein ziemlich humorloser Typ gewesen zu sein, dieser Goethe. Oder wie eine Freundin von mir gerne sagt: Der sollte sich mal brausen. Man kann durchaus auch mal lachen, auch wenns nicht gut ist. Und zumindest eines kann man der Serie zugutehalten: Wo sie gut ist, ist sie zeitlos gut, wo sie schlecht ist, ist sie zeitlos schlecht. Episoden zurückziehen, wie das zurzeit häufig passiert, muss Berlin Berlin sicher nicht.

Neu bei Setup/Punchline

Der Podcast geht allmählich auf die Zielgerade seiner ersten Staffel. Sagen wir, wie’s ist: Es ist einfach wirklich viel Arbeit. Und ich würde gern auch mal wieder was für das Magazin schreiben, denn das kommt durch die fancy Podcast-Arbeit zwangsläufig zu kurz.

Aber noch ist es nicht so weit, drum gibt’s wieder zwei Folgen: eine mit dem Autor und Hauptdarsteller der Serie Fett und fett, Jakob Schreier, der von vielen Erfahrungen als Stand-up-Comedian berichten kann. Und eine mit der Comedienne Maja Stinnen, die auf der Bühne über Feminismus und ihre (frühere) Arbeit mit behinderten Menschen spricht. Keine leichten Themen, aber Maja manövriert sich geschickt durch.

Comedy-News

  • Im Podcast My Mate Bought a Toaster spricht die Comedienne Shappi Khorsandi über die „Ladette“-Kultur der britischen Comedyszene der 1990er-Jahre: als der Konsens herrschte, Frauen müssten einfach genauso kumpelig und vulgär sein wie Männer, dann könnten sie genauso Erfolg haben. Man ahnt es: Schön war das nicht und das ist natürlich noch untertrieben. Kernpunkte des Gesprächs gibt’s bei Chortle zum Nachlesen.
  • Immer mehr Comedyserien ziehen Episoden zurück, bei denen die Macher die rassistische Praxis des Blackfacing eingesetzt haben, zum Beispiel 30 Rock oder Scrubs. Von Kritiker:innen hört man oft, dass doch die Vergangenheit nicht ausgelöscht werden dürfe. Das will ja niemand, da es nicht geht. Aber ein bisschen Vorsicht sei angebracht, argumentiert dieser Artikel in der Washington Post: „making those episodes unavailable does more to sanitize [creators‘] records than it does to promote racial equality in Hollywood“
  • „After four months of livestream stand-up sets, [comedy via Zoom] remains awkward“, so steht es bei diesem NY-Times-Artikel schon im Teaser. Das stimmt. Aber Autor Jason Zinoman spricht tatsächlich auch mit Comedians, bei denen das Format besser funktioniert.
  • Beim Guardian habe ich die liebevolle kleine Rubrik „My favourite film aged 12“ entdeckt. Denn das sind ja trotz aller Verbildung dann doch die Sachen, die am wichtigsten für einen sind.
  • Hat der Humor in der Krise ausgedient? Das fragt der Stern Oliver Kalkofe in einem Interview. Natürlich nicht. Ich dokumentiere das an dieser Stelle, um zu zeigen, dass manche Leerfloskeln offenbar einfach nicht totzukriegen sind.

Schau-Tipp: Comedy Without Errors

Youtube-Kanal Comedy Without Errors

Comedy Without Errors ist der Youtube-Kanal eines Comedians aus Neuseeland, der schreibt: „Considering [telling jokes] is such a huge force in our culture, I think it’s still criminally undervalued and underappreciated“. Bisher gibt es vier Video-Essays, die echt mal etwas Neues bieten.

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