Noten zur Comedy
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Owning the libs mit Dieter Nuhr

Der Comedy-Newsletter von Setup/Punchline: News über Stand-up, Comedy und Kabarett
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„Keine Politik, keine Religion“, so beschrieb der Comedian Markus Krebs bei einem Auftritt vor kurzem dem Publikum das Programm: „Wir machen uns einen schönen Abend.“ Dass, wo einer „keine Politik“ draufschreibt, trotzdem Politik drin sein kann, machen das wandelnde Witzebuch Krebs und seine Beziehung zum kollektiven Unbewussten zu einem Untersuchungsobjekt für die Kulturwissenschaften. Aber nun ist die Sehnsucht nach einem politik- und gesellschaftsleeren Raum irgendwie ja nachvollziehbar. Und gegen einen schönen Abend wirklich nichts zu sagen.

Das konträre Programm dagegen bietet der Kabarettist und Comedian Dieter Nuhr, seit 2014 unter dem Titel Nuhr im Ersten. Und seit einiger Zeit setzt der Gastgeber bei sich und seinen Gästen auf die volle politische Dröhnung. Ein Twitteruser hat vor kurzem ein paar exemplarische Ausschnitte zusammengestellt: Da gibt es (immer noch) viel über Veganer zu hören, immer wieder Genderwitze bzw. -witzinnen (hehe); Halbverstandenes über kulturelle Aneignung, immer wieder die Insinuation, dass der Staat ihm unliebsame Meinungen unterdrücke, bis hin zu rassistischen Äußerungen – oder wie will man es nennen, wenn Michael Mittermeier der Bundeswehr rät, zur Beschaffung von Waffen mal eine Razzia in einer Shishabar in Neukölln durchzuführen?

Dieser Artikel gehört zur Reihe Noten zur Comedy, in der wir alle zwei Wochen einen Blick auf ein virulentes Thema rund um Comedy werfen. Ihr könnt die Noten auch als Newsletter abonnieren, dann kommen sie direkt (mit aktueller Presseschau und besonderem Comedytipp) ins Postfach.

Es ist knapp zweieinhalb Jahre her, dass in einer Shishabar im hessischen Hanau ein Rechtsradikaler neun Menschen aus Familien mit Einwanderungsgeschichte erschoss, was Mittermeiers Witz dann natürlich aus den Angeln hebt. Research kills comedy, klar, aber darum heißt es auch research und nicht oberflächliche Googlerecherche. So ist das häufig bei Nuhr im Ersten: Vieles fällt bei näherer Betrachtung in sich zusammen. Aber die Sendungen sind nun mal Treffen der Mehrheitsgesellschaft, und für gut wird befunden, was auf das Mantra einzahlt, selbst doch die unterdrückteste Gruppierung zu sein. „Weggecancelt“ werde Dieter Nuhr, war vor einiger Zeit einmal im Cicero zu lesen. Needless to say, dass die Sendung ungerührt weiterlief.

Es wird bei den leichten Themen übrigens nicht besser. Auch bei den ungezwungeneren Sachen entdeckt Nuhr einen dramatischen Kern, stößt auf Cancelwut oder „moralischen Rigorismus“. In der Sendung vom 6. Oktober witzelte er anlässlich der Umbenennung eines Festivals für Blasmusik über Menschen, die Sex und Sexismus verwechseln („sei’s weil sie keinen haben, weil sie keinen Spaß dran haben, sei’s weil sie im Bistum Köln tätig sind“), trieb mit den Wörtern „Po“ und „Posaune“ Schabernack über die nicht-gendergerechte deutsche Sprache; und er fand die korrekt gegenderte Bezeichnung für ein Flügelhorn, nämlich „Flügelhornisse“.

Sich „populistisch den einfachen Applaus abzuholen“, sei ihm zu billig, sagte Nuhr einmal im Interview bei Jung und naiv. (Ich weiß ja, es kommt zeitlich nicht hin, aber ich stelle mir zur Erheiterung manchmal vor, dass er dann nach Hause ging und den Joke über die Flügelhornisse schrieb.)

Ist das ziemlich schrecklich? Faul ausgedacht, schlecht geschrieben und im Timing schief dargeboten? Einmal nur fürs Protokoll: Ja. Denn es geht ja um etwas anderes. Nuhr selbst sagte auf jeden Fall bei Jung und naiv auch, die Diskrepanz zwischen „Anspruch und Wirklichkeit“ sei ein wesentlicher Teil seines Humors. Ich dachte lange, er meint damit die Diskrepanz in den Weltbildern der Irgendwie-Linken, aber offenbar war das programmatisch für den Künstler selbst gemeint.

Vor zwei Jahren warf Nuhr der Schwarzen Autorin Alice Hasters anlässlich deren Buchs Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten Rassismus gegen Weiße vor. Nuhr zeigte damit ja viel, vor allem anderen aber, dass er Hasters’ Buch nicht gelesen hatte. Will man, zur Abwechslung, mal Tucholsky zitieren, warum dann an dieser Stelle nicht dessen Folgerung, „dass man überhaupt nur das satirisch behandeln kann, was man in seinem tiefsten Kern begriffen hat“? Nuhr schneidet daran gemessen nicht nur schlecht ab, er kann selbst zwei Jahre später immer noch nicht vom „Rassismus gegen Weiße“ lassen.

Natürlich ist es nicht damit getan, dass sich Nuhr halt mal besser anstrengen oder mehr Zeit fürs Jokewriting einplanen müsste. Dass es ihm nur an geeigneten Lektüreempfehlungen mangelt. Damit eine Sendung wie Nuhr im Ersten zustandekommt, müssen Dutzende Entscheidungen getroffen werden. Die Sendung ist nicht wider besseres Wissen, wie sie ist, sondern weil sie jemand genau so und nicht anders gemacht hat.

Es geht nicht darum, Diskrepanzen aufzuzeigen oder gegen den moralischen Rigorismus™ von Linken aufzubegehren. Die Show hat kein politisches Projekt, die Inhalte sind ein „financial ploy“, ein Trick zum Geldverdienen, wie Nick Marx und Matt Sienkiewicz das in ihrer Monografie That’s not Funny. How the right makes comedy work for them genannt haben. „Wo alle nur sagen: Genau so isses! Das interessiert mich nicht“, sagt Nuhr im Gespräch bei Jung und naiv. Dabei schalten jedes Mal Millionen ein, weil sie genau dieses „so isses“ suchen. Und sie kriegen es, weil sie einschalten. Der Kulturkampf muss um jeden Preis am Laufen gehalten werden.

Apropos, weil da ja gerade ein böses Wort stand: Ist das rechte Satire? Sicherlich hat Nuhr im Ersten thematische Überschneidungen mit Sendungen wie Tucker Carlson Tonight oder von mir aus auch mit Der Wegscheider im österreichischen Servus TV. Aber man kann die Frage trotzdem etwas herunterkühlen. Nuhr im Ersten ist in erster Linie eine Sendung, die sich kritisch an emanzipatorischen und progressiven Positionen (oder dem, was sie dafür hält) abarbeitet.

Mit „owning the libs“ wird vor allem in den USA die Strategie bezeichnet, gesellschaftspolitisch liberal gesinnte Politiker:innen um jeden Preis zu ärgern, zu brüskieren oder (bei ihrer politischen Arbeit) zu sabotieren. Egal wie sinnvoll die Projekte oder Ansichten, sei es, Schulen oder Zufahrtsrampen für Rollstuhlfahrer zu bauen, die Grundsicherung und Löhne zu erhöhen oder Minderheiten zu schützen: Wenn es von der falschen Seite kommt, ist es abzulehnen und zu trollen. Ohne Wenn und Aber. Nuhr im Ersten hat das einfach auf Comedy übertragen.

Wohin die „owning the libs“-Mentalität führen kann, kann man zum Beispiel bei den US-amerikanischen Republikanern erfragen. Sie hat nicht zwangsläufig eine politische Heimat, kann aber auf die Dauer eine nahelegen.

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25 Kommentare

  1. Simon sagt

    Genauso gut könnte man davon sprechen, dass Kabarettisten seit Jahrzehnten „owning the fdp and the union“ betreiben nach dem Motto „Wenn es von der falschen Seite kommt, ist es abzulehnen und zu trollen.“ Würde man vergleichen, welches politische Lager und seine Ziele und Projekte wohl öfter durch den Kakao gezogen wird, wäre die Strichliste bei Söder, Lindner und Co. eindeutig länger. Daher kann man Nuhrs Sendung auch als legitimen Versuch betrachten, wieder etwas Balance herzustellen, damit alle Seiten ihr Fett wegbekommen.

    • Setup Punchline sagt

      Hallo Simon und danke für deinen Beitrag! Die Strichliste bei Söder, Lindner & Co. ist deutlich länger, weil sie halt auch die längste Zeit in der Regierung verbracht haben. Söder ist amtierender Ministerpräsident, die CSU in Bayern seit Jahrzehnten in der Regierung. Natürlich kann man auch auf die SPD in Bayern draufhauen, das geeignetere Ziel aber sind Söder und die CSU.

      Satire funktioniert eben nicht nach Strichlisten, es muss hier kein 50:50- oder 25:25:25:25 oder was auch immer für ein Verhältnis hergestellt werden. Obendrein ist es fraglich, wie durch das Referieren von Mehrheitsmeinungen eine „Balance“ hergestellt werden soll.

      • Simon sagt

        Es muss kein 50:50-Verhältnis hergestellt werden, das stimmt, es reicht schon aus, wenn zu 80% linkem Kabarett 20% liberal-konservative Positionen zum Ausdruck kommen. Und wenn Nuhr für diesen Anteil sorgt, ist das m.E. ein wichtiger Beitrag für Pluralität, auch in der Comedyszene.

        „Obendrein ist es fraglich, wie durch das Referieren von Mehrheitsmeinungen eine „Balance“ hergestellt werden soll.“ Das suggeriert, als würde Nur Mehrheitsmeinungen referieren. Ich finde nicht, dass man nach einer Bundestagswahl, bei der die Mehrheit für Rot-Grün-Gelb gestimmt hat, sagen kann, dass wir in einer Zeit leben, in der liberal-konservative Positionen a la Union die Mehrheitsmeinung darstellen, im Gegenteil. Nuhr vertritt daher eher, wenn man es am Ergebnis der BTW misst, gesellschaftliche Minderheitspositionen. Auch hier sehe ich einen wichtigen Beitrag für Pluralität und Ausgewogenheit.

        • Setup Punchline sagt

          Hier gehen wir in der Bewertung auseinander: Nuhr vertritt (in einer Show mit einem Millionenpublikum) sicherlich keine Minderheitenpositionen. Auch die politische Wirklichkeit spricht eine andere Sprache.

          Die Mehrheit im Bundestag mag der Ampel gehören, aber eine Parteimitgliedschaft sagt ja noch nichts über Haltungen in konkreten Fragen. Auch bei SPD und Grünen gibt es Gegnerinnen und Gegner des Genderns. Auch bei der Union gibt es Menschen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Die Hartz-Gesetzgebung war auch keine sozialdemokratische Politik, nur weil sie von der SPD stammt. Identifiziert man politische Parteien mit bestimmtem Gedankengut, das sie längst nicht mehr in Reinheit vertreten (vielleicht sogar niemals vertreten haben), bleibt man in Lagerdenken verhaftet und kommt bei der Bewertung von Satire nicht weiter.

          • Simon sagt

            Naja, Sie haben ja geschrieben, Nuhr vertrete Mehrheitsmeinungen. Wo ist der Beleg für diese These? Comedy funktioniert nach bestimmten Regeln, Debatten auch. Was die Pointe für die Comedy, ist für die Debatte der Beleg 😉

            Ich hatte als Beleg für meine Ansicht geschrieben, dass das Wahlergebnis der BTW etwas anderes darüber aussagt, was derzeit in D Mehrheitsmeinung ist. Das wollen Sie nun aber nicht als Beleg gelten lassen. Was ist denn dann ein objektiver Gradmesser dafür, welche Meinungen in D eine Mehrheitsmeinung ist? Ein Bauchgefühl nach dem Motto „Die Mehrheit denkt meiner Ansicht nach konservativ“, obwohl die BTW und Umfragen zeigen, dass die Mehrheit für Klimaschutz, mehr Rechte für LGTBQ usw. sind? (Nicht, dass ich gegen LTGBQ-Rechte wäre – nur sind das eben keine konservativen Forderungen, was eher zeigt, dass wir zumindest gerade jetzt in einer Phase leben, in der die Mehrheiten eben nicht liberal-konservativ sind).

          • Setup Punchline sagt

            Fair enough! Hatte grad im Moment nicht gecheckt, worauf Sie sich berufen 🙂

            Ich sehe in Deutschland, etwa was Sozial-, Asyl- und Umweltpolitik und neoliberales Denken (Stichwort Schuldenbremse) angeht, und wie politische Debatten medial geführt werden, durchaus noch eine konservative Vormachtstellung. Insofern sind halt Späße gegen linke Indoktrinierung, weil irgendwo in den ÖR jemand gendert, etwas billig. Streng genommen verrät das alles natürlich auch nichts über die Meinung der Mehrheit, liefert aber Indizien. Umfragen oder Wahlergebnisse sind das eine, aber was sagen sie aus, wenn dann die favorisierten Projekte nicht umgesetzt werden?

    • Johannes Hass sagt

      Man macht es sich deutlich einfacher, wenn man sich mal das Zielobjekt der Satire anschaut. Geht es darum nach „oben“ zu boxen (also die Leute in der Regierung)?

      Oder drischt man auf Leute „unten“ ein? Und das wäre bei der Genderdebatte glasklar der Fall – dort geht es schließlich um das Ansinnen der Gleichberechtigung. Daher sollte man dort _sehr_ vorsichtig mit Satire sein.

      Zumal ein weiteres Qualitätsmerkmal eines Satirikers ist, dass er sich auch selbst auf die Schippe nehmen kann und Gegenwind souverän erträgt. Bei Nuhrs Gejammere übers Gecancelt-Werden lässt sich das nicht erkennen.

      • Setup Punchline sagt

        Wortschöpfungen wie die „Flügelhornisse“ zeigen ja, dass jemand die dahinterliegenden Konzepte nicht verstanden oder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hat.

      • G. Heim sagt

        Beim „Gendern“ geht es um die Gleichberechtigung? Klar. Zwischen denen, die im Deutschunterricht aufgepasst haben und denen die „Gendern“. 😁

      • Hannes sagt

        „Oder drischt man auf Leute „unten“ ein? Und das wäre bei der Genderdebatte glasklar der Fall“
        Zumindestens das „glasklar“ ist doch Banane. Es gibt einen Trend zu einer Genderpflicht von oben. Und davon ab: „Das Ansinnen ist Gleichberechtigung“ zu „Kritiker dreschen auf Leute unten ein“ ist es gelinde gesagt ein ziemlicher Sprung.

    • G. Heim sagt

      Nuhr war mal ganz lustig. Dann kam irgendwann sein dämlicher „Wenn man keine Ahnung hat“ – Spruch. Er hat leider trotz offensichtlicher Ahnungslosigkeit nie die „Fresse gehalten“. Seine „Cancel“ – Paranoia ist einfach nur peinlich. Witze über Genderwahn finde ich allerdings lustig. 🙂

      • Ospero sagt

        Der „Fresse halten“-Spruch stammt von 1998, insofern stellt sich mir da die Frage, wann dieses „mal“, als Nuhr ganz lustig war, gewesen sein soll…jedenfalls nicht innerhalb der letzten 25 Jahre.

  2. Peter Nawal sagt

    „Sich bei Juden zu entschuldigen ist wie dem Besitzer von Red Bull einen Red Bull auszugeben.“

    Dieser geschmacklose judenfeindliche Witz von Lisa Eckhardt wird zurecht bis heute kritisiert, da nie eine Entschuldigung oder Distanzierung dazu kam. Man darf der Kunstfigur Eckhardt deshalb zurecht eine judenfeindliche Haltung unterstellen.

    Dieter Nuhr sagte dazu, wer Lisa Eckhardts judenfeindlichen Witz als judenfeindlich bezeichnet, der sei „entweder bösartig oder geisteskrank, vermutlich beides“.

    Seine Gegner als geisteskrank und bösartig zu bezeichnen, das ist also nicht rechts, sondern „owning the libs“? Was bringt es noch mal, einen rechten Demagogen und Scharfmacher zu verklären?

    Nuhr im Ersten ist eine Schande für den Bildungsauftrag des ÖR. Ich schäme mich, für solchen Dreck einen Beitrag zu bezahlen. Diese Show gilt als Paradebeispiel, wo der ÖR bei seinem Auftrag versagt.

    • Setup Punchline sagt

      Hallo Peter, ich denke nicht, dass der Beitrag Dieter Nuhr „verklärt“. Dazu habe ich einfach schon zu oft und auch kritisch über die Sendung geschrieben. „Owning the libs“ ist jetzt auch nicht unbedingt eine ehrenwerte Tätigkeit, sie kann halt verschiedene Schattierungen annehmen.

      Die ständige Etikettierung mit dem Label „rechts“ halte ich für ein Problem, weil sie a) manchmal nicht korrekt ist (Antisemitismus, Frauenhass, Ableismus, schlechte Manieren etc. haben Rechte nicht exklusiv) und b) ständige Selbstviktimisierung ermöglicht.

    • Peter haber sagt

      Ihr Ernst? „ eine Schande für den ÖR? Sind es nicht genau Leute wie sie, die dafür sorgen dass so eine Sendung sein muss?Ich stelle mir vor, so eine Kritik käme von rechts gegen eine Sendung wie die Anstalt oder auch gegen Nuhr, der Aufschrei wäre groß.
      War und ist es nicht so, dass nuhrˋs Sendung die einzige ist, die wöchentlich gegen AFD, gegen radikale Impfgegner wettert, die sich über Russlands Putin lustig macht( was sicherlich einigen Linken zu weit geht) und sie aufs Korn nimmt? Mittlerweile ist die politisch Linke nicht mehr unterscheidungsfähig zwischen Satire und Realität. Glaubt wirklich jemand, dass gendern , in der Form der Forderung einiger, eine breite Mehrheit bei SPD Wählern hat? Vielleicht bei den Linken und teilen der Grünen, dass war es aber auch. Sprache muß wachsen , darf aber niemals aufgezwungen werden. Im übrigen gehen Menschen zur AFD über, weil sie sich nicht mehr vertreten fühlen von der SPD und CDU, das ist natürlich eine Schande, aber ist es nicht genau deswegen gut eine Sendung zu machen, die diese Leute vielleicht wieder zurückholt, weil jede Stimme die diese Partei nicht bekommt, ein Sieg der Demokratie ist. Und ist es nicht genau das Problem , dass Menschen die gerne alles was ihnen nicht gefällt und ihre Linie vertritt, eigentlich die größten Feinde der Demokratie sind? Genau, der Spiegel sagt oft Wahrheiten über einen aus.

    • Hotte sagt

      Ist das denn judenfeindlich? Ich verstehe es so, dass Juden konkretere Unterstützung verdient haben als ständige Entschuldigungen.

  3. „Egal wie sinnvoll die Projekte oder Ansichten, …: Wenn es von der falschen Seite kommt, ist es abzulehnen und zu trollen. Ohne Wenn und Aber.“

    Lange nicht mehr taz gelesen?
    Twitter ignoriert?
    Noch nie extra3 gesehen?

    Diese Strategie wird von Links mit mindestens genausoviel Inbrunst und Vernichtungswillen betrieben.
    Und dies jetzt einäugig und bewusst verkürzend Nuhr, Reublikanern oder sonstwem aus dem abgelehnten Spektrum zuzuschreiben ist doch auch exakt das Gleiche.

    Aber solange man sich damit seiner eigene Tugendhaftigkeit und des Strebens nach dem ultimativ Richtigen Ziel(TM) versichern kann … Um sinnvolle Zustandsbeschreibungen und Veränderung geht es ja gar nicht mehr.

    • Setup Punchline sagt

      Und meine eigene Motivation kennen Sie, weil…? Kein Grund, übergriffig zu werden.

      Es besteht ein gehöriger Unterschied zwischen dem Prinzip „owning the libs“, wie es Teile der Republikaner oder z. B. die alt-right in den USA hochhalten, und allgemeinen politischen, mitunter auch mal härter geführten Debatten. Diese Strategie wird in Deutschland sicherlich nicht „mit mindestens genausoviel Inbrunst“ und schon gar nicht mit „Vernichtungswillen“ betrieben. Entsprechende Beispiele würde ich gerne mal sehen.

      • Die taz-Kolumne, die Polizisten auf der Mülldeponie entsorgen wollte gefolgt von der unsäglichen Verrenkungen all der Verteidiger, die kübelweise Hass vergossen haben — und sich regelmässig auf „Satire“ berufen haben.
        Die taz-Artikel über das Thüringer Verfassungsgerichtsurteil zur Paritätsregelung bei Wahlen, die vor übelstem Sexismus strotzten.
        Böhmermanns Hassgedicht gegen Erdogan, dass unter dem Deckmäntelchen der Satire nahezu alles versammelt hat, was sonst als Rassismus, Sexismus, Diffamierung, … angeprangert würde.
        Die Twitter-Threads über den beim Münsteraner CSD erschlagenen jungen Mann, die hasserfüllt die Schuld auf „TERFs“ schoben, was wiederum eine ganz üble Hassbezeichnung ist, und ganz oft mit Vernichtungsphantasien gegen die solcherart diffamierten Persoenn gruppe einhergeht.
        Twitter, wann immer JK Rowling erwähnt wird.

        Ich bin sicher, dass das für Sie trotzdem etwas gaaaanz anderes ist … weil, links halt.

        • Setup Punchline sagt

          Also… ich weiß nicht, was ich mit dieser Aufzählung anfangen soll. Twitter-Threads, die über TERFS schreiben, nachdem… was hat das denn mit Satire zu tun?

          Es wäre im Sinne der Diskussion außerdem schön, wenn Sie hier einen etwas weniger polemischen Ton anschlagen würden.

  4. Christian M. sagt

    Dieter Nuhr war Gast bei Christian Lindners Hochzeit auf Sylt – mehr muss man bezüglich seiner politischen Haltung eigentlich nicht wissen. Er ist sicherlich kein „Nazi“ oder AfD-Sympathisant (auch wenn er dort große Anerkennung findet), er macht auch kein „rechtes Kabarett“, wie es der legendäre Matthias Belz einst ironisch ausmalte, sondern er ist schlichtweg alt und faul geworden. Früher hat er noch humorvolle Reisereportagen aus exotischen Ländern produziert, jetzt arbeitet er sich nur noch an 5 Themen ab: dem (politischen) Islam, den Grünen, der Klimabewegung um Greta Thunberg, dem Gendern und der vermeintlichen „Cancel Culture“. Damit füllt er seine Bühnenshows ebenso wie seine TV-Sendung und seine wöchentliche Radiokolumne im WDR. Das ist einfallslos und so lustig wie ein Witz, den man schon dreimal gehört hat. Dazu kommt, dass seine Gags schlecht geschrieben und leicht vorauszuahnen sind, da sie immer nach „Schema F“ ablaufen. Das Ergebnis ist Humor auf Bierzelt-Niveau: populistisch, grob, einseitig und immer knapp an der Wahrheit vorbei. Es ist eine Büttenrede für Akademiker oder solche, die sie hierfür halten. Einen künstlerischen Anspruch wie bei seinem Kollegen und TV-Dauergast Andreas Rebers, der häufig dieselben Themen bedient, dabei jedoch stärker differenziert und eine ironische Brechung erkennen lässt, findet sich bei Dieter Nuhr nicht (mehr). Die ARD wäre daher gut beraten, ihn als Host zu ersetzen. Vermutlich fehlt jedoch der Mut. Die Angst vor dem Shitstorm der „Cancel Culture“-Wutbürger ist zu groß. Vielleicht glaubt man auch, man müsse ein konservatives Gegengewicht zu eher linkslastigen Formaten wie „Extra 3“ oder der ZDF-„Anstalt“ bilden. Doch scheint dieser Gedanke eher eine „false balance“ zu befeuern. Es geht hier nun mal nicht um „rechts“ oder „links“, sondern um „gut“ oder „schlecht“ gemacht. Und Dieter Nuhr fällt nun mal eindeutig in die letztgenannte Kategorie.

    • Peter haber sagt

      Er war auf der Hochzeit von Lindner und deshalb , aber darum geht es in ihrer Aussage nicht. Sie sind der Meinung man sollte ihn ersetzen, weil er ihnen nicht gefällt. Ist das nicht eine gefährliche Aussage . Die am meisten Gesehene Kabarett Sendung im deutschen Fernsehen soll den Moderator ersetzen, weil er ihnen nicht passt. Puh, zu sagen, da fehlt Mut um das zu tun, sollte vielleicht durch, warum? ersetzt werden. Und man ist Wutbürger, weil man diese Meinung nicht vertritt. Schon mal eine Reflexion über sich selbst durchgeführt?

      • Christian M. sagt

        Haben Sie meinen Beitrag überhaupt richtig gelesen? [Editiert s/p: Stelle entfernt. Bitte sei doch so gut und verzichte auf haltlose und beleidigende Behauptungen.]

        Es geht nicht darum, dass mir Dieter Nuhr nicht gefällt. Es geht darum, dass er einen schlechten Job macht und Arbeitsverweigerung betreibt, indem er schon seit Jahren ständig dieselben 5 Themen mit denselben, einfallslosen Punchlines bringt, die so voraussehbar sind wie das Amen in der Kirche. Und dass er dabei nicht Satire, sondern schlicht dumpfen Populismus betreibt und ein Humorniveau an den Tag legt, das man sonst nur von AfD-Politikerin kennt, wenn sie glauben, etwas „satirisch“ zu meinen.

        Ich sehe seine Sendung aus diesem Grund auch schon seit geraumer Zeit nur noch sporadisch, höre aber regelmäßig seine wöchentliche Radiokolumne, die meist aus Ausschnitten seines aktuellen Sendungsmonologs besteht (auch hier ist er offensichtlich faul!). Daher traue ich mir durchaus ein Urteil zu. Seine Quoten sagen außerdem auch noch lange nichts über die Qualität seiner Sendung aus. Im Übrigen sollten sie gerade für einen öffentlich-rechtlichen Sender nicht das (alleinige) Maß sein, nachdem man den Fortbestand einer Sendung bzw. den Verbleib ihres Moderators beurteilt.

        • Peter haber sagt

          Sie bestimmen also wer einen guten Job macht und wer den schlechten. Und für sie sind auch Quoten egal. Ok, aber für mich wären sie nicht egal. Wenn knapp 2 Millionen Menschen, die Gebühren bezahlen, diese Sendung, die ihrer Meinung nach von Arbeitsverweigerung und einem faulen Moderator lebt, scheint es fast so, das sie mal engen Kontakt zu Ihm hatten und nun beleidigt sind, dass dies nicht mehr so ist. Und nun suchen sie Dinge, die unbedingt für eine Absetzung des Moderators eine Relevanz spielen sollen. Aber das es viele Menschen gibt, die vielleicht gerade den Moderator gut finden und sich wünschen das er weiter macht, kommt ihnen nicht in den Sinn . Ist es nicht gefährlich wenn ich meine Meinung als die einzige sehe?wie gesagt, da scheint jemand sehr gekränkt zu sein oder er platzt vor Eifersucht.

          • Christian M. sagt

            Ich kenne Dieter Nuhr weder persönlich, noch habe ich ihn je getroffen, in irgendeiner Weise kontaktiert oder eines seiner Bühnenprogramm live gesehen. Ich bin auch in keiner Weise eifersüchtig auf seinen Erfolg, den er zweifelsohne hat (obwohl er m.E. nicht gerechtfertigt ist). Ich halte Ihre (Nicht-)Argumentation daher auch für völlig abwegig. Unabhängig davon ist es nicht so, dass ich bestimme, wer einen guten Job macht und wer nicht. Dafür gibt es objektive Kriterien. Ein Fußballer, der immer über den Ball stolpert und das Tor nicht trifft, ist nun mal kein guter Fußballer. Und ein Kabarettist, der einfallslose Pointen zum Besten gibt, der bloß dumpf polemisiert, statt mit ausgefeilter Wortkunst zu unterhalten, ist nun mal kein guter Kabarettist. Punkt. Und da ist es auch völlig egal, wie viele Leute sich das ansehen. Nach Ihrer Argumentation wäre demnach Mario Barth auch ein guter Comedian, weil er Fußballstadien füllt. Wenn Sie seine Programme kennen, wissen Sie, dass dem nicht so ist. Masse ist kein Qualitätskriterium. Und von einem öffentlich-rechtlichen Sender, der einen bestimmten Programmauftrag hat und mit öffentlichen Geldern finanziert wird, darf man Qualität verlangen. Es ist auch nicht so, dass „Nuhr im Ersten“ generell schlecht wäre. Andreas Rebers, Torsten Sträter, Lisa Eckhart und viele andere Gäste machen durchaus einen guten Job. Doch der namensgebende Moderator der Sendung nun mal leider nicht. Es ist Ihr gutes Recht, das anders zu sehen. Meine Meinung ist jedoch eine andere und im Gegensatz zu Ihnen, kann ich diese auch argumentativ untermauern. Sie finden vermutlich einfach nur gut, dass Dieter Nuhr „nicht links“ ist. Das ist zwar auch eine Haltung, aber keine besonders anspruchsvolle. Von mir aus kann Dieter Nuhr Witze über die Grünen oder Greta Thunberg machen – seine TV-Kollegen von der „Heute Show“ oder „Extra 3“ machen das übrigens auch. Nur sollten die Witze auch gut sein und nicht nur plumpe Beleidigungen auf Basis einer naiven, einseitigen und verzerrten Weltsicht.