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BBC / Janne Westerlund / Ma’s Comedy Club

Comedy-Newsletter von Setup/Punchline

A kingdom for a comedian.

Die BBC, also das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen im Vereinigten Königreich, hat mit Tim Davie einen neuen Generaldirektor. Und der stampfte gleich mal auf und ließ intern verlauten: Die BBC-Comedy sei zu einseitig und unfairerweise tendenziös, berichtete der Telegraph. Nämlich zum Beispiel gegen die Konservativen, gegen US-Präsident Donald Trump und gegen den Brexit. Stattdessen solle man wieder ein breiteres Publikum ansprechen.

In UK ist darüber eine Diskussion mit zahlreichen Beiträgen entbrannt: Was soll geförderte politische Comedy tun, wen soll, wen kann sie ins Visier nehmen? Das sind ziemlich komplexe Fragen. Denn worüber man Comedy macht, würfeln Comedians ja nicht einfach aus. Und heute trifft es Trump, morgen die Labour Party, übermorgen Greta Thunberg und dann wieder Alexander Gauland? That’s not how any of this works.

Und dann bleibt ja noch die Frage: Was ist denn eigentlich „konservative“ Comedy? Ich glaube bei weitem nicht, dass Comedy per se „links“ oder „liberal“ ist. Aber ist sie „konservativ“ möglich, also wirklich möglich? Schließlich müsste sie ihrem Wesen nach ja Werte und Traditionen achten und vor dem Bruch zurückschrecken. Driftet eine als konservativ imaginierte Comedy also immer ab in die Bekräftigung der Norm, in die Bestätigung des Ressentiments, in die edginess? (Ja, edgy jokes sind inhärent konservativ. Schweinische Witze funktionieren ja nur, wenn ich als Basis ein unverbrüchliches Wertesystem anerkenne.) Bleibt sie also zwangsläufig nicht-existent, im besten Falle langweilig? Vielleicht hat Tim Davie darauf ja ein paar Antworten.

Neu bei Setup/Punchline

Es gab einmal den Plan, bei S/P auch dezent Stand-up-Szenen europäischer Länder vorzustellen. Begonnen habe ich mit Schweden, das Interview mit Janne Westerlund (gewissermaßen/quasi/eine Art schwedischer Michael Mittermeier) lag dann aber noch lange auf Eis wegen – you guessed it – Corona. Naja, was soll’s. Das Gespräch gibt euch (auf Englisch) trotzdem einen kleinen Einblick in die schwedische Comedyszene vor Corona. Wie die Szene mit Corona ist, könnt ihr euch ja wahrscheinlich vorstellen.

Der Comedian und Koch Fabian Barahmeh hat in Berlin Ma’s Comedy Club gegründet. Hier erfahrt ihr die Hintergründe.

Und dann mal wieder eine kleine Buchrezension bzw. absolute Empfehlung: für Getting the Joke von Oliver Double, Comedian und Dozent an der englischen University of Kent. So systematisch, so zerlegend habe ich noch niemanden Stand-up zu Leibe rücken sehen.

Comedy-News

  • Comedienne Maria Bamford erklärt in Podcast- bzw. Hörbuchform in 15 Schritten, wie man ein Stand-up-Special macht. You Are (A Comedy) Special gibt’s exklusiv auf Audible, The Interrobang hat die Hintergründe.
  • „Immerhin gelingt es mir fast immer, dass alle Seiten beleidigt sind“, übertitelt der Spiegel ein Interview mit Dieter Nuhr (€) und fragt den Kabarettisten, warum er sich auch außerhalb seiner Comedy politisch äußert. Nuhr: „Weil man sich heute selbst erklären muss, wenn man nicht akzeptieren will, dass der eigene Standpunkt von anderen falsch erklärt und diffamiert wird.“ Ja, das wird es wohl sein, oder?
  • Vor 10 Jahren starb Robert Schimmel, ein comic’s comic mit sehr viel dirty Material. Ich habe ein paar alte Clips von Schimmel angesehen und fand es faszinierend, wie unwichtig eigentlich konkret die versauten Witze sind. Und wie viel wichtiger bei dirty comedy der Gesamteindruck (Anzug! Haltung! Tonfall! Satzmelodie! etc.)
  • Zwei weitere Frauen werfen Comedian Chris D’Elia sexual misconduct vor, etwas, wofür es im Deutschen noch keine praktische Übersetzung gibt. D’Elisa bestreitet die Vorwürfe, wie auch alle bisherigen. Vulture liefert den aktuellen Stand der Geschichte.
  • Der Comedy-Club-Besitzer James Altucher sieht in kultureller Hinsicht schwarz für die Zukunft von New York post-Corona: NYC is dead forever hieß ein Blogpost, der eine Debatte lostrat, unter anderem mit einer Reaktion Jerry Seinfelds, der alles nicht so schlimm sah. Comedian Michael Makarov vertritt eine abwägende Mittelposition: „NYC doesn’t offer beautiful waterfalls or low taxes (goddamn, de Blasio!), but it offers a delectable social layer of smart people, which are the best audience for stand-up comedy.“

Lese-Tipp: Existential Comics

Existential comics about philosophy

Comics über Philosophen, nicht mehr, nicht weniger. Eine Seite, die ich seit gefühlten Ewigkeiten lese. Aber erst bei einer der jüngsten Folgen über Humortheorien fiel mir auf, dass sich das ja wunderbar für diese Rubrik eignet. This is not funny and I will not laugh! Wunderbar zum Stöbern geeignet.

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