Aktuell, Presseschau

Comedy-Presseschau vom 24.11.22

(Foto: Museums Victoria on Unsplash)
  • Die Anstalt im ZDF hat die Gestaltung einer Ausgabe über die Situation im Iran und die unrühmliche Rolle Deutschlands bei der Unterstützung des Regimes in den vergangenen Jahrzehnten den iranischstämmigen Comediennes Enissa Amani und Negah Amiri überlassen. Abrufbar in der ZDF-Mediathek,die Frankfurter Rundschau bespricht.
  • Zum 30. Jubiläum des Quatsch Comedy Clubs will sich Gründer Thomas Hermanns als Moderator zurückziehen und nur mehr hinter den Kulissen agieren. (Spiegel) Ferner sind bei Sky keine weiteren Staffeln des QCC mehr geplant, wie der Sender DWDL mitteilt.
  • Anja Rützel nennt beim Spiegel die Neuauflage der von Stefan Raab erdachten Wok-WM einen Anachronismus, der sich wie so viele andere aktuelle Showaufgüsse im Privatfernsehen traurig an den ranzigen Kultbehauptungen vergangener Tage labt“. Ihr Fazit: „Nicht nur die wirklich beschämend faul zusammengeklaubten Niedriginstinkt-Lacher der Einspielfilme wirken wie grobschlächtiges Rumpelfernsehen aus einer anderen, fipsasmussigeren Zeit […].“

Stand-up-Comedian Doug Stanhope

SPECIAL-EMPFEHLUNG: Doug Stanhope: Beer Hall Putsch (2013)

Ein absoluter Klassiker US-amerikanischer Stand-up-Comedy und das neunte Album von Stanhope, der immer ein wenig klingt wie der etwas zu laute Betrunkene an der Bar, der sich ins Gespräch einmischt. Verdient sich die gewagteren Themen mit gekonntem Jokewriting und originellen Takes, etwa der vollkommen unbitteren und obendrein originellen Kritik an progressiven Protestbewegungen.

  • Dieter Nuhr macht Witze über das Bürgergeld und warnt ob der Erhöhung von Hartz IV um sagenhafte 50 Euro davor, dass hierzulande niemand mehr arbeiten wolle. Fabian Lichter schreibt in seiner Kolumne bei der Titanic dazu: „Die Warnung von der Einwanderung in die Sozialsysteme, die hat man in dieser Deutlichkeit früher schließlich noch gerne der NPD überlassen oder wurde selbst unschön dafür abgewatscht. Heute bekommt man dafür zur besten Sendezeit Applaus. Und einen Batzen Geld obendrein – starke Leistung eben.“
  • Der Comedian-turned-Podcaster Joe Rogan hat seine reichweitenstarke Plattform wieder mal zur Verbreitung transphober Inhalte genutzt. Trans* zu sein, sei eine psychische Krankheit, ähnlich einem Kult, sagte er in einer Episode seines Podcasts. Das Watchblog Media Matters erklärt ausführlich, warum diese Äußerungen jeder Grundlage entbehren.
  • Nicht wenige Leute halten US-Comedian Dave Chappelle für den Greatest of all times.Dieses Image (oder was davon noch übrig ist) zu zertrümmern, scheint Chappelle ein drängendes Anliegen zu sein. Früher ganz firm in Stand-up ist er offenbar jetzt nicht mehr ohne Kontroverse zu haben. Beim Eröffnungsmonolog bei Saturday Night Live transportierte er eine antisemitische Verschwörungserzählung. CNN fasst den Fall zusammen. Ein mahnendes Beispiel für Comedians: Ist der Weg des Provokateurs erst einmal beschritten, gibt es oft nur noch eine Richtung.
  • In diesem Kontext ein nicht explizit an Comedians gerichteter kluger Text von Andrej Reisin bei Übermedien: Man muss kein Nazi sein, um antisemitische Klischees zu verbreiten – es geht eben nicht darum, was man ist, sondern was man sagt und tut.
  • Bei SWR2 wird eine Simplicissimus-Ausstellung im baden-württembergischen Waiblingen besprochen.

Schautipp: Stand-up and Win

Szene aus dem SNL-Sketch Stand-up And Win

Wenn Comedians Witze von Jerry Seinfeld imitieren, leiten sie die sehr oft mit „What’s the deal with…“ ein. Dabei hat Seinfeld diese Formel selbst kaum je benutzt. Woher kommt also das Klischee? Schuld ist ein Sketch aus Saturday Night Live von 1992, in der schlechte Comedians bei einer Gameshow (mit Seinfeld als Host) gegeneinander antreten. Beleuchtet ein Stück Stand-up-Geschichte.

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