*ba duff*
Setup/Punchline ist ein Newsletter über Stand-up-Comedy.
Aktuelle Newsletter-Ausgaben
- Comedy is ■■■■■ ■■■ pain (23.09.2026)
Comedians bezeichnen sich gerne als truth tellers, nehmen es mit den Fakten aber dann gar nicht so genau. Wie viel Wahrheit braucht ein Witz? Zum Text
- Presseschau (04.09.2026)
Comedy-News, Links und Tipps zu Stand-up, Kabarett und Humor, heute mit: Mario Barth und einem abhanden gekommenen Weltrekord, Stand-up als „Besserverdiener-Hobby“ und Stand-ups großer Überfahrt. Zum Text
- Das Comedy-Grundgesetz (27.07.2026)
Wie und warum Setup/Punchline Comedians kritisiert. Zum Text
Von Amani bis Zymny: Unvollständige Liste mit Rezensionen deutscher Stand-up-Comedy-Specials.
Spielst du Open-Mics, machst du Sketch- oder Impro-Comedy, schreibst du Drehbücher für eine Produktionsfirma, lustige Tweets für ein Unternehmen oder veröffentlichst du lustige Videos auf Instagram? Dann würde ich gerne mit dir über deine Erfahrungen und Sorgen reden!
Mit welchen Problemen schlägst du dich in deiner Comedyszene oder an deinem Arbeitsplatz herum? Welche Missstände sollten unbedingt mal in den Fokus rücken? Welche Geschichten müssen erzählt werden? Dann schreib mir!
Stand-up-Comedy ist wie…
… das Schmieden eines Samurai-Schwertes
Dieser Vergleich stammt von Louis C.K., der vor einigen Jahren in Interviews über seine Methode gesprochen hat, fast jedes Jahr ein neues Special vorzulegen. Er vergleicht den Prozess mit der traditionellen Herstellung eines Samuraischwerts, bei der das Metall immer wieder geschlagen und gefaltet, geschlagen und gefaltet wird. Das geschah, um den minderwertigen, ungleichmäßigen Stahl von Verunreinigungen zu befreien und den Kohlenstoffgehalt im Metall gleichmäßig zu verteilen.
Analog erklärte C.K., immer wenn er denke, dass er nun eine Stunde neues Material geschrieben habe, schreibe er eine weitere Stunde Material und „falte“ sie in die erste Stunde. Ziel dieses „Zusammenfaltens“ ist es, alle Unreinheiten und schwächeren Witze aus einer Show zu tilgen, sodass am Ende nur das absolut beste, komprimierte Material übrig bleibt.
… Wissenschaft
Der New Yorker Comedian Matt Ruby erklärt das wie folgt: „Comedians test our hypotheses (joke ideas) and collect real time data (laughter) and then share our findings with the world (specials).“ Comedians testeten ihre Hypothesen (d.h. Witzideen), sammelten Echtzeitdaten (Publikumsreaktionen) und teilten ihre Ergebnisse anschließend in Form ihrer Specials mit der Welt.
… ein Kaktus
„At this point in my career, I try to water it just as little as possible“, sagt US-Comedian Pete Holmes im Podcast Comedy Means Business. Dass weniger Auftritte qualitativ bessere Witze produzieren, mag für eine bestimmte Karrierephase zutreffen. Als Rat für aufstrebende Comedians taugt das aber kaum. Schließlich kann sich, wer etabliert ist, auch leisten, weniger aufzutreten. Der Vergleich mit dem Kaktus ist eingängig, aber nur möglich, weil Holmes bereits ein Publikum hat.
… Skifahren
Der US-amerikanische Comedian Jerry Seinfeld argumentiert, genau wie ein Skifahrer, der im Slalom um die Tore herummanövrieren müsse, unabhängig davon, wo diese auf dem Hang aufgestellt seien, müsse der Comedian ebenfalls „make the gate“, also seine jeweiligen Tore erwischen, unabhängig vom aktuellen kulturellen Klima.
… Surfen
Jerry Seinfeld hat das Gefühl, ein gutes, funktionierendes Set zu spielen, als ähnlich dazu beschrieben, eine „gigantische Energie“ aufzufangen und „just sliding down it“. Analog zu einem Ozean sei das Publikum bei einer Comedyshow permanent am Wabern und Wandeln. Jedes Publikum sei unterschiedlich, genau wie jede Welle. Es gebe keine Gewissheiten und was bei einem Publikum funktioniert habe, könne beim nächsten schon schiefgehen.
… ein Ei auszubrüten
Der Münchner Comedian Gagan Gopal erklärte im Podcast bei Setup/Punchline einst, warum einen Joke zu schreiben und zu erzählen ist, wie ein Ei auszubrüten. Es geht nicht nur darum, was am Ende dabei rauskommt. Man müsse mit dem ganzen Gegenstand und Prozess sorgsam umgehen, um überhaupt herauszufinden, was drinstecke. Selbst der beste Witz leide darunter, wenn er nicht richtig erzählt wird. Und selbst die beste delivery kann ein Monster hervorbringen.
… Tischlerei
Jerry Seinfeld verwendete diesen Vergleich, um die Bedeutung von Handwerkskunst und Langlebigkeit in der Kunst zu unterstreichen. „Stand-up ist wie: Du bist ein Tischler, und jeder braucht ja jemanden, der mit Holz umgehen kann“, sagt Seinfeld. Es gebe zwar überall Holz und Bäume (das heißt: Ideen und Witze), aber einen schönen Tisch zu bauen (also ein kunstvoll gecraftetes Set), sei schwierig. Wer seine Fähigkeiten lange trainiert und ausgeprägt habe, sei in der Folge immun gegenüber einer schwankenden Comedyindustrie. Verlässliches Handwerk sei immer gefragt.
… Turmspringen
Jerry Seinfeld sagte im Gespräch mit Variety, dass sich das Publikum gerne Stand-up-Comedy zuwende, weil es etwas sei, das man nicht vorschwindeln könne. „Es ist wie beim Turmspringen“, sagte Seinfeld. „Du kannst sagen, du bist ein Turmspringer, aber wir sehen innerhalb von zwei Sekunden, ob das stimmt.“ Das sei das, was Menschen an Stand-up schätzten: Sie könnten sich auf die Kunstform verlassen. „Everything else is fake.“
… Jagen
Stand-up sei dem Wesen nach eine Solokunst, schreibt der englische Comedian Matt Green. Comedians seien einsame Wölfe, die durch das Land pirschen, auf der Jagd nach Lachern. Hin und wieder täten sie sich mit anderen zusammen, um Rudel zu bilden (bzw. „Line-ups“) und Shows zu spielen. Aber sie blieben nie lange im selben Rudel. „This metaphor may be a little strained“, so Green.
… ein Instrument spielen
„Musiker spielen Musik vor einem Publikum“, sagt der US-amerikanische Comedian Chris Rock. „Comedians dagegen spielen das Publikum.“ Das Publikum sei das Instrument der Comedians.
… Ziegel brennen
Der Comedian Paul Salamone hat auf die Ähnlichkeit der Ziegelwand mit dem Handwerk hingewiesen: Das „Ziegelbrennen“ sei die grundlegendste Fähigkeit von Comedians. Witze seien, wie Ziegel, aus sehr einfachen Materialien gemacht, nämlich der alltäglichen menschlichen Erfahrung. Anschließend müssten sie in den Brennöfen der Open-Mics, unter der „flammenden Hitze eines kritischen Publikums“ gebrannt werden. „Sobald sie fertig sind, können sie jahrelang verwendet werden und Menschen überall Freude verschaffen.“
… Archäologie
Der Berliner Comedian Alex Upatov hat das Schreiben eines Bits im Podcast bei Setup/Punchline mit Archäologie verglichen: „Du findest so einen Knochen und dann fängst du an, so drumherum die anderen Knochen freizulegen und gucken, wie es passt.“ Die Künstler seien in dieser Arbeit nicht vollkommen frei, das Schreiben sei nicht das Gleiche wie Knete in eine bestimmte Form zu bringen. Es gibt laut Upatov also eine gewisse ideale Form eines Bits, die gefunden werden muss, damit es organisch funktioniert.





