Presseschau

Comedy-Presseschau vom 01.09.22

(Foto: Museums Victoria on Unsplash)
  • Der Spiegel spricht mit Comedian Aurel Mertz über Humor und sehr viel Altbewährtes (Muss Comedy TaBuS BrEcHeN, uM lUsTiG zU SeIn???). Schön aber, was Mertz der Früher-war-alles-lustiger-Fraktion entgegenhält, und auch, was er über seine Ausbildung in der Moderatorenschule von Frank Elstner erzählt: „Elstner gibt Ratschläge wie: Coole Idee, die Sie da haben, aber es wäre noch besser, wenn sie dabei einen Papagei auf der Schulter hätten.“
  • Comedienne und Autorin Shari Litt (u.a. Die Caroline Kebekus Show)spricht beim Cojoking Space über Professionalität bei Autor:innen-Jobs.
  • Der Comedian Alex Stoldt hat beim Prix Pantheon den Publikumspreis gewonnen. Die ganze Veranstaltung bzw. das Finale gibts in der WDR-Mediathek zum nachsehen. (Den Ehrenpreis bekam übrigens Kabarettist Urban Priol, und das ist kein Fehler in der Matrix; er bekam ihn wirklich zum ersten Mal.)
  • Das Onlinemagazin Tichys Einblick, das als „neurechte Plattform“ zu bezeichnen, das Stuttgarter Landgericht einmal als zulässige Meinungsäußerung ansah, hat ein unechtes, satirisches Interview mit der Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt veröffentlicht. Darin zahlreiche überspitzte humorige Grünen-Formulierungen wie, hehe, „Grün:innen“. Die Politikerin wehrte sich dagegen juristisch, unterlag nun aber, wie die Legal Tribune Online berichtet.
  • Der Hauptdarsteller des Films Känguru-Verschwörung, Dimitrij Schaad, erklärt im Deutschlandfunk Kultur: „Ein britischer Comedian erlaubt es uns, über ihn zu lachen, weil er sagt, ich bin ein Idiot.“ Ein deutscher Comedian lache über die anderen. Warum dann die Känguru-Verschwörung so sehr Schwurbler und Verschwörungstheoretiker bloßstellen möchte, erkärt Schaad nicht.

Comedian Dan Mintz

SPECIAL-EMPFEHLUNG: Dan Mintz: The Stranger (2014)

One-liner-Comedy, die sich bemüht, die Erwartungen möglichst unerwartet zu enttäuschen. Heutzutage nicht unbedingt die Selbstverständlichkeit, nach der es klingt. Manchmal etwas schematisch und ohne den edge von Anthony Jeselnik und ohne die Absurdität von Mitch Hedberg, aber voller kleiner Goldstücke: „My family is like in the series ‚Two and a Half Men‘. Because nothing funny every happens.“

  • Die Illustratorin Marie Marcks wäre kürzlich 100 Jahre alt geworden. In der Süddeutschen Zeitung gibts eine kleine Werkschau. Marcks hat hellsichtig, früh und vor allem treffend Macht- und Geschlechterverhältnisse thematisiert.
  • Der Comedian Hennes Bender kritisiert auf Twitter die Mode, Clips von Comedyshows so kurz wie möglich zu schneiden. Bender schreibt: „Only real timing is funny.“ Es hilft aber ja nichts: Tausende (um nicht zu sagen: Millionen) Menschen sind anderer Ansicht. Die Videos werden ja trotzdem gesehen und für gut befunden. Aber: Die Frage, wie Soziale Medien unsere Wahrnehmung von Comedy verändern, verformen, verzerren – möglicherweise ja nicht nur zum Negativen? – wird uns wohl noch länger beschäftigen müssen.
  • Der Comedian und Autor Horatio Sanz (etwa Saturday Night Live) ist wegen grooming und Missbrauch einer Minderjährigen angeklagt, wie hier schon mal im Newsletter erwähnt. Nun möchte die Klägerin auch den damaligen SNL-Autor und heutigen Late-night-Host Jimmy Fallon und SNL-Chef Lorne Michaels als Ermöglicher des mutmaßlichen (aber erschreckend detailliert dokumentierten) Missbrauchs in ihre Klage mit aufnehmen, wie Seth Simons bei Paste erklärt.
  • Die FAZ interviewt Margaret Cho, leider nur anlässlich ihrer Rolle im Film Fire Island. Trotzdem schön, dass es mal eine bekannte ausländische Stand-up-Comedienne in deutsche Medien schafft. Chos simplen Tipp für Comedians kann man sich mal zu Herzen nehmen: „Wo bin ich zu dünnhäutig? Und wo gehe ich zu weit? Wo lohnt es sich, auch mal eine Grenzüberschreitung zu wagen? Und wo ist es einfach mal vernünftiger, den Mund zu halten?“

Lesetipp: Abreißkalender-Humor

Deutschland, deine Abreißkalender: Der Autor Torsten Gaitzsch sammelt auf seinem Blog Beispiele für humorige und „augenzwinkernde“ Späße und kleine, rückständige Bilderwitze aus Abreißkalendern. Da ist alles voll böser Finanzbeamter und frauenhassender Ehemänner, manchmal sogar beides gleichzeitig („Sie können Ihre Frau nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen!“). Zwar ziemlich reaktionär, aber eben ein Bestandteil der Kultur; und Erinnerung, dass Menschen Komik meistens nicht konsumieren, um politische Statements zu setzen.

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