Presseschau

Comedy-Presseschau vom 11.03.21

(Foto: Museums Victoria on Unsplash)
  • Der Lotse geht von Bord: Der Kabarettist Volker Pispers hat erklärt, nicht mehr auf die Bühne zurückkehren zu wollen. Pispers hatte sich vor fünf Jahren aus dem Livegeschäft zurückgezogen, erst mal auf unbestimmte Zeit. Nun also das Ende. Auf seiner Homepage beschreibt er, wie genervt er davon sei, sich ständig gegen „Coronaleugner, selbsternannten Querdenker, Afd-Fans und rechte Extremisten“ wehren zu müssen, die seine Zitate aus dem Zusammenhang rissen. Er fügt hinzu, dass er viele aktuelle Politiker:innen trotzdem für unfähig halte. Ja, wie wahr. Pispers verdeutlicht damit: Die Konzentration auf die leichten (weil eindeutigen) Gegner dient allzu häufig nur dazu, Probleme zu verdecken und den Status quo zu bewahren. Eine würdige Schlusspointe für den Prototyp aller muffeligen Kabarettisten mit Kragenpullover, der heimlich doch auch immer einer ein begnadeter Jokewriter war.
  • Die Golden Globes wurden verliehen. Aus Comedysicht interessant: die sehenswerte Komödie (?) / Satire I Care a Lot. Rosamund Pike gewann denn auch als beste Hauptdarstellerin in der Kategorie „Comedy oder Musical“. Recht viel klarer könne man seine Geringschätzung von Komödien eigentlich nicht ausdrücken, findet Olivia Cathcart beim Paste Magazine: „Dramas deserve to be recognized as dramas and comedies deserve to be recognized as comedies, and each deserves an equal share of the pot.“
  • I’ll see you again in 33 years! Was bei Twin Peaks ein genialer Schachzug war, geht beim Prinz aus Zamunda 2 gehörig schief. „Dieses abscheuliche Werk ist das Symptom einer tiefen, tiefen Krise“, fasst etwa Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt die Misere zusammen. Grund für die Krise: Die Bereicherungsökonomie habe die Filmindustrie in den kreativen Abgrund gestürzt.
  • Netflix hat mit Fast Laughs ein neues Feature für iPhones gelauncht, das den User:innen kurze Schnipsel von Serien, Filmen oder Stand-up-Specials näherbringt. Das erinnert an Tiktok. Aber auch an die App Smyle, die zu ProSiebenSat1 gehört und kleinere Acts aus Deutschland im Programm hat. Könnte Smyle nun unter Druck geraten? Thematisch gibt es zwar keine Überschneidungen. Aber während Fast Laughs für Netflix eine simple Wiederverwertung ist, muss Smyle seine Inhalte erst lizensieren. Und auch die Ausführung hapert bei Smyle, wie viele negative User-Kommentare in den App-Stores belegen. Es wäre also ein Anlass, mal in die Gänge zu kommen. (Siehe auch diesen älteren Artikel bei The Drum über Netflix‘ Bestrebungen, Inhalte direkt für Smartphones zu produzieren.)
  • Zur Fastenzeit gibts in München den Starkbieranstich auf dem Nockherberg, samt traditionellem Politiker-Derblecken, das heißt: Verspotten. Und wegen Corona dieses Jahr sogar digital. Die Witze des jeweiligen Fastenpredigers (zurzeit der Comedian Maxi Schafroth) sind meist harter Tobak. Der Spott erfolgt moralisierend, von oben herab, mit dem Holzhammer. Aber ja, auch das ist Comedy. Und dass sich Verkehrsminister Andreas Scheuer einzeln in einem Zoom-Call blöd anreden lassen muss, gibt’s wirklich ja auch nicht alle Tage. Die Süddeutsche Zeitung hat einen kleinen Nachbericht.

Lesetipp: How Do You Drown a Hipster?

Na, in the mainstream, natürlich. Dieser Witz hat in einer Befragung in Großbritannien viele Menschen verwirrt. Gelacht haben sie trotzdem. Aber warum eigentlich? Einblicke in merkwürdiges menschliches Sozialverhalten und einen Überblick über die verwirrendsten Witze gibt’s bei Chortle.

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