Alle Artikel mit dem Schlagwort: Netflix

Der Comedy-Newsletter von Setup/Punchline: News über Stand-up, Comedy und Kabarett

Comedy vs. Kunst / Ingrid Wenzel / Streaming Wars

Banalitätsverdacht. Ein Freund schrieb mir vor kurzem, das mit dem Stand-up-Magazin sei ja schön und gut, aber er habe sich beim Lesen parallel erstmal durch das Begriffsdickicht googeln müssen. Recht hat er. Der Jargon ist voller Anglizismen (Spot, Line-up, Punchline) und obendrein nicht unbedingt intuitiv: Bomben ist negativ, Killen positiv? But why? Es ist zwar keine riesige Schwelle, aber immerhin eine Schwelle. Schon klar, dass sich manche dann eher abwenden als Jokes zu bouncen. Für ein kleines Comedy-Lexikon habe ich darum ein paar Begriffe zusammengetragen. Die Definitionen sind nicht hochoffiziell, schließlich gibt es keine DIN-Norm für Comedy (noch nicht!). Aber man kann sich mit der Liste einen ersten Überblick verschaffen. Falls jemand fragt: Auf den in der deutschen Kulturlandschaft sehr wichtigen Begriff „Banalitätsverdacht“ habe ich verzichtet. Ein blöder Begriff, der den Umgang mit vermeintlich banalen Dingen wie Comedy in Deutschland auf den Punkt bringt: Er nimmt eine Abwertung vor und suggeriert obendrein, dass das vermeintlich Banale verdächtig und anrüchig ist. Schon schade. Denn erstens kann auch das Banale sehr kunstvoll sein. Und zweitens ist das …

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Long form improv / Antonia Bär / Netflix / David Letterman

Chair feet. In der Stand-up-Szene wird viel experimentiert, das ist einerseits sehr schön. Andererseits, nun, führt mich das kurz zum schlechtesten Open Mic, auf dem ich jemals war. Kaum Menschen im Publikum, auf der Bühne ein vielleicht zugekokster Moderator, der uns Zuschauer aggressiv anging, weil wir halt sehr wenige waren. Mich fragte er ob ich beschnitten sei, und zwar ungefähr eine Minute lang. Das ging dann so: „Ja? Nein? Ja oder nein? Beschnitten oder nicht? Bist du beschnitten? Ja? Hm, wie siehts aus? Ja, nein? Hm, hm?“ Ich war zuerst zu perplex, um zu antworten, dann zu fasziniert. Der beste Comedian des Abends rutschte auf zwei Stühlen durch den Raum und sang „Chair feet, chair feet, who’s afraid of chair feet“. Lustigerweise ist das nicht in der deutschen Provinz passiert, nicht in München, auch nicht in Berlin, sondern in einem Stand-up-Keller in New York. Also im Mutterland der Stand-up-Comedy, im Schoß, ach was: in der Gebärmutter der Stand-up-Comedy. Ziegelwand inklusive. Schockierend? Nein. Ich fand es eher beruhigend. Auch Stand-up-Comedy ist nicht zwangsläufig brillant, nur weil …