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Das Magazin für Stand-up-Comedy geht an den Start

Sehr wichtig für Stand-up-Comedy: das Mikrofon.

Eines von zwei möglichen Foto-Motiven bei Stand-up-Comedy: das Mikrofon. (Foto: Bruno Cervera )

Nimmt es denn nie ein Ende? Das habe ich mich in den vergangenen Wochen und Monaten oft gefragt. Aber das ist halt das Schlimme an solchen Projekten: dass sie als Idee starten, die simpel ist und gleichzeitig grandios. Und dass sie sich dann ausbreiten, auswachsen, ausdehnen wie der Schleim bei den Ghostbusters oder in den Gänsehaut-Büchern und alles verschlingen.

Die simple wie grandiose Idee ist in meinem Fall, ein Magazin für Stand-up-Comedy zu machen (herzlich willkommen!), mit dem wunderbaren Namen Setup/Punchline. Der Schleim, der alles verschlingt, setzt sich zusammen aus: Providern, HTML, CMS, Bildrechten, Themenfindung und der Suche nach der passenden Schriftart. Gehört alles eigentlich nicht zum Kerngeschäft, aber eben dazu. Und es ist ja das Wunderbare an Ideen: dass man gar nicht überblickt, was man da noch vor sich hat. Dass sie sich ausbreiten, auswachsen, ausdehnen und alles verschlingen.

Setup/Punchline also. Magazin für Stand-up-Comedy. Wem das nicht classy genug ist, gerne auch: Feuilleton für Stand-up-Comedy – aber es heißt nun mal offiziell „Magazin“, weil nach „Feuilleton Stand-up-Comedy“ (hoffentlich) niemand googelt. Auf Setup/Punchline werde ich über Stand-up-Comedy schreiben im Speziellen und über Comedy und Humor im Allgemeinen. Das kommt daher, dass man kann eine Humorart an einem Ort nicht getrennt von ihrer Umgebung betrachten kann. Die deutsche Geschichte von Humor und Kabarett wirkt sich auf die alternative Stand-up-Szene aus. Und Stand-up wirkt zurück auf Fernseh-Comedy und Kabarett.

Was wird es auf Setup/Punchline geben?

Es wird, so der Plan, Artikel geben, Reportagen, Interviews mit interessanten Menschen, mit Comedians, Comediennes, Veranstaltern, Produzentinnen, Gagschreibern, Podcasterinnen oder Autoren. Rezensionen über Comedy-Specials und -Shows. Und da ich vor kurzem festgestellt habe, dass es auf der wunderbaren Fotoseite Unsplash Dutzende Fotos von Mikrofonen und Ziegelwänden gibt, mit denen ich meine Beiträge bebildern kann, gibt es nun wirklich absolut gar keinen Grund mehr zu warten.

Die Idee zu Setup/Punchline entsprang einem anderen Projekt: In meinem normalen Leben bin ich Journalist und habe über mehrere Monate habe ich in der deutschen Stand-up-Szene recherchiert. Dabei habe ich festgestellt: Ich mag Stand-up-Comedy. Und das, was der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf mal großartigerweise „Lustigkeitshumor“ genannt hat, mag ich weniger.

Ich sage nicht, was lustig ist und was nicht. Ich weiß das doch auch nicht! Und es geht mir nicht darum, irgendwen oder -was, das in Deutschland Publikum findet, schlechtzumachen. Wenn man einen Aspekt herausgreift, heißt das nicht, dass die anderen nicht mehr gültig wären. Oder dass man sie abwertet. Nehmen wir zum Beispiel Fußball: Ich kann ein Spiel taktisch analysieren, Viererkette, Dreieck, polyvalent. Aber ich kann auch rumpsychologisieren, kann sogar Talkshows damit füllen. Ich kann über den Zufall als Faktor für das Ergebnis sprechen oder sogar das Wetter. Wenn ich mich für Taktik interessiere, bedeutet das nicht, dass das Wetter oder die Psychologie ausfallen. Es bedeutet allein, dass ich mich für Taktik interessiere.

Auch auf Comedy kann man unterschiedlich schauen. Auf die Identität der Künstlerinnen und Künstler zum Beispiel. Auf den Zufall. Mann kann den Faktor Provokation berücksichtigen oder den Faktor Abgrenzung. Welche Rolle spielt das Thema eines Witzes? Welche der Kleidungsstil des diensthabenden Comedians? (Ein Style-Blog aus der Comedy-Szene, das wäre der Bringer.) Mit Setup/Punchline will ich nun eben auf das Handwerk schauen. Wie entsteht ein Witz, wie wird er gebaut? Wie spricht eine Comedienne mit dem Publikum? Warum sind große Witze immer auch ein Fitzelchen traurig? Warum altern Witze oft so schnell? Kurz: Welche Theorien und Philosophien des Witzes gibt es – und was bedeuten sie für die tägliche Arbeit der Comedians?

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