Engl. für „zweiter Comedy-Boom“; eine Phase verstärkten Interesses an Stand-up-Comedy um die 2010er Jahre, die ausgehend von den USA fundamentale Verschiebungen in der Unterhaltungsindustrie zur Folge hatte. Während der erste Comedy-Boom durch das Aufkommen zahlloser Spielstätten angeschoben wurde, also durch einen handfesten Ausbau der Infrastruktur, ist der zweite Boom vor allem im Internet angesiedelt und ohne Soziale und Neue Medien undenkbar. Verschiedene Entwicklungen können exemplarisch für den Beginn des zweiten Booms stehen: 2009 startete der Comedian Marc Maron seinen „WTF“-Podcast. Ebenfalls 2009 begann der Comedian Rob Delaney als einer der Ersten, zum Aufbau einer großen Followerschaft systematisch Twitter zu nutzen.
Das Internet ermöglichte es Comedians, ohne die Hilfe der Gatekeeper von einst (also etwa Sender, Produktionsfirmen oder Agenturen) direkte Verbindung zu ihren Fans aufzubauen. Das führte zu zahllosen Nachahmern bzw. setzte sich als Standard in der Branche durch. Jesse David Fox beschrieb die Entwicklung bei Vulture: „Practically every comedian has a podcast or web series, or both. Thanks to the internet, comedians now have infinite means by which to reach their fans; and those fans are more fanatical than ever. Welcome to the Second Comedy Boom.“ Parallel entwickelte sich eine Comedy-Subkultur mit Comedy-Nerds, die vor Hipster-Publikum auftraten. Die Comedy wurde autobiografischer, selbstreferenzieller, experimenteller. Nerds besprachen Jokes und Specials wie sonst vorher Musikliebhaber ihre Platten, was eine Vielzahl an typischen Comedy-Laberpodcasts nach sich zog. Das Nerdtum wird auch am gesteigerten Interesse an Kursen für Impro-Comedy erkennbar. 2015 nahmen in den USA mehr als 10.000 solche Kurse, mehr als je zuvor.
Es dauerte nicht lange, bis die Unterhaltungsindustrie auf dieses Rumoren aufmerksam wurde. Der Streamingdienst Netflix investierte massiv in Comedy-Specials, brachte einige Jahre lang unzählige Shows heraus, auch weil diese recht günstig zu produzieren waren, und zahlte Dutzende Millionen US-Dollar an Stars wie Dave Chappelle, Chris Rock oder Jerry Seinfeld. Podcasts wurden lukrativ: Shows mit ein paar Zehntausenden Plays pro Episode konnten schon ein Jahreseinkommen generieren, Shows mit noch mehr Plays ganze Unternehmen unterhalten. Der Produzent Brian Volk-Weiss nannte die Phase aufgrund mannigfacher neuer Vermarktungsmöglichkeiten das „Diamond Age Of Comedy“. Vor 2009 hatten nur drei Comedians jemals den New Yorker Madison Square Garden mit seinen knapp 20.000 Sitzplätzen ausverkauft; in den drei Jahren danach schafften es mehrfach drei weitere.
Ab 2017 zeigten sich Krisenzeichen. Stuart Heritage warnte im Guardian, Netflix würde durch Investitionen in „big-name comics – many of whom are way past their best“ die Stand-up-Szene aufblähen und ersticken. Jason Zinoman argumentierte in der New York Times, ein „Bust“ sei nötig, da „much of comedy right now feels stagnant, dominated by the same handful of stars“. Skandale erschütterten die Stand-up-Industrie weltweit (etwa um den sexual assault Louis C.K.s oder die grooming-Vorwürfe an Chris d’Elia) und ließen Streamer und Produktionsfirmen zögerlicher werden, all ihr Geld gedankenlos auf Stand-up zu setzen. Laurie Kilmartin beschrieb in der New York Times die strukturellen Probleme für weibliche Comedians: „Almost every female comic could name a comedy club she can’t walk into, a booker she can’t email or an agent she can’t pursue because of the presence of a problematic guy. We are all avoiding someone who could help us make money.“ Die COVID-19-Pandemie und das damit einhergehende temporäre Aus der Live-Shows beschleunigte schließlich das Ende der Boom-Phase.