- TV-Total-Moderator Sebastian Pufpaff hat im Podcast Zwischen den Zeilen berichtet, wie schwierig mitunter die Zusammenarbeit mit Stefan Raab war. Gerade auch was den Humanismus anbelange, hätten er und Raab komplett verschiedene Ansätze. „Ich weiß gar nicht, ob er weiß, was das bedeutet.“ Äh. Die bpb etwa vermerkt: „Wer eine humanistische Geisteshaltung hat, achtet die Würde jedes einzelnen Menschen.“ Autsch. Selten einen krasseren Diss gelesen. Normalerweise haben sich im TV-Business ja alle immer so gern, um sich auch keine Chancen zu verbauen. Dass nun so offen gegen Raab geschossen wird, bedeutet dann wohl, dass ihm viele keine so großen Sprünge mehr zutrauen. (Nicht zuletzt wegen eines antisemitischen Einspielers in seiner Show. Stefan Niggemeier schreibt in der SZ: „Das ist bei Stefan Raab ohnehin eine naheliegende Annahme: dass einfach niemand nachgedacht hat.“)
- Ein ehemaliger Mitarbeiter des Münchner Lucky Punch Comedy Clubs (dem von Michael Mittermeier) hatte im November, wie die SZ berichtete, in einem Brief an den Stadtrat geschrieben, dass der Club monatlich hohen fünfstelligen Gewinn mache, während die Stadt das Projekt mit geringer Miete subventioniere. Kurzes Update hierzu: Die Stadt ließ die Vorwürfe prüfen, möchte aber nicht öffentlich mitteilen, was die Prüfung ergeben hat. Eine Anfrage von mir, ob die Stadt bestätigen kann, dass der Comedyclub eine Umsatzbeteiligung gezahlt hat, blieb unbeantwortet. Auch bei FatCat, dem Kulturzentrum, das von der Stadt mietet und an Lucky Punch untervermietet, habe ich nachgefragt, wie überprüft wird, dass die Untermieter korrekte Angaben bzgl. ihres Umsatzes machen. Auch diese Anfrage blieb unbeantwortet. Zu guter Letzt habe ich auch das Gespräch mit dem Comedyclub selbst gesucht. Auch hier gab es keine Antwort. Muss ja auch nicht, zumal Lucky Punch Teil eines privaten Unternehmens ist. Und dass wir uns nicht falsch verstehen: Nothing wrong with Profitstreben. Nur: München hat das Kulturzentrum mit dem erklärten Ziel ins Leben gerufen, dass möglichst viele kostenlose und kostengünstige Angebote und Probentätigkeiten gefördert werden sollen. Vor diesem Hintergrund könnte sich ein (ausweislich der Selbstdarstellung in den Sozialen Medien) kommerziell höchst erfolgreicher Club, der demnächst einen Ableger in Wien eröffnet, schon mal ein paar Nachfragen stellen. Und dass die Stadt sich ausschweigt, ist auch irgendwie 🤷♂️
- Stand-up-Comedian Fabi Rommel hat auf Instagram angekündigt, keine seiner erfolgreichen Kurzsketche mehr in den Sozialen Medien veröffentlichen zu wollen. Er schreibt: „So langsam bekomm ich kreativ einfach nicht mehr viel aus der Minute und dem Setting nur mit mir als Schauspieler rausgeholt.“ Er entsagt damit einem rasend erfolgreichen Format, das ihn ja erst in die Lage versetzt hat, auch als Bühnencomedian zu touren. Aber wer rastet, der rostet. Sympathisch, wenn Künstler:innen sich das Leben auch mal schwer machen.
- Siehe auch das lange Porträt über Hazel Brugger im SZ-Magazin. Auch Brugger erklärt, dass sie sich nun an Stand-up auf Englisch versuche, denn: „Ich fühle mich mittlerweile zu wohl.“ Bin gespannt, wie weit es für Brugger noch nach oben geht. Man kann sie sich ja wirklich auch in US-Late-Night-Shows vorstellen. Schönes Porträt, meinem Empfinden nach ein bisschen zu gefühlig. Und wie man ständig schreiben kann, was jemand für einen tollen Humor hat, aber dann auf die konkreten Witze so gut wie gar nicht einzugehen, ist mir ein Rätsel.
- Wer sich für fundiertere strukturelle Analyse des Comedybusiness interessiert, ist beim Podcast Why You Mad gut aufgehoben. In einer aktuellen Episode geht es darum, warum Kill Tony verzweifelte Comedians braucht, warum alle gegen alle kämpfen, und warum Comedians so oft ihre eigene Position in der Working-Class nicht erkennen. Gutes, wahres Zitat aus einer anderen Episode: „Most good art doesn’t actually fit into capitalism and you don’t get paid for it.“

Gewissermaßen ein laut.de für Stand-up-Comedy möchte ja die Stand-up-Bibliothek sein, eine eine Ansammlung von Kurzkritiken deutscher Stand-up-Specials. Neu hinzugekommen ist ein Eintrag über Fühl ich (2025) von Ivan Thieme.
- Englische Forscher haben systematisch Stand-up-Performances im Hinblick auf Timing untersucht – ich hatte ja vermutet, dass das bestimmt nur in akademische Worte gekleidete Binsenweisheiten ergeben kann, aber es ist ganz und gar nicht so. Selbst bei einem etablierten, tourenden Comedian variieren von Show zu Show 60 Prozent des Materials. Die Joke-Reihenfolge ist viel wichtiger als angenommen. Und: Comedians strukturieren ihre Sets nicht um Lacher, sondern um Pausen herum. Sehr, sehr interessante Erkenntnisse, über die ich in nächster Zukunft mal noch ausführlicher schreiben möchte.
- Weil er eine Show mit Nikolai Binner veranstalten wollte, hat ein Comedyveranstalter in der Schweiz eine besorgte E-Mail bekommen. Die hätte er löschen können. Stattdessen wird („Wir lassen uns nicht einschüchtern!“) das ganz große Fass aufgemacht. Analog auch ein anderer Fall, wo kürzlich eine Location eine Binner-Show abgesagt hat. Was in den Kommentarspalten abgeht, ist teilweise lustig („Du bist das Stadtbild, ob die wollen oder nicht“, kommentiert jemand und hat da so einiges an der Stadtbild-Debatte nicht verstanden) aber meistens nur gruselig. „Jetzt entscheidet schon ein Kulturzentrum über welche Standup-Comedy ich lachen darf oder nicht?“ Nein, das Kulturzentrum entscheidet, welche Stand-up-Comedy es bei sich veranstalten will und welche nicht. Es macht von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch, die Leute wie Binner und seine Fans in ihrem Vulgärliberalismus ja sonst über alles stellen. Aber es geht hier nicht mehr um logische Konsistenz. Der Feind ist die einzige Quelle der Identität, darüber hat Umberto Eco mal ein schönes Büchlein geschrieben.
- „That his dismal, meandering laundry list of jokes was even nominated was absurd. That it won, perverse“, disst Jason Zinoman Ricky Gervais in der NY Times, weil der einen der wichtigsten Preise (Golden Globe) für seine laundy list of jokes bekommen hat. Trotzdem gehen Journalisten Gervais immer noch auf den Leim, jüngst etwa der Feuilletonchef der Süddeutschen: „Gervais wird weiter den Schwachen eine Stimme geben, denn Menschen statt immer nur Opfer sind die Schwachen nur dann, wenn sie genauso lächerlich sind wie alle anderen Menschen auch.“ Comedy aus tiefster Menschlichkeit natürlich. Von Gervais könnte bestimmt auch Stefan Raab noch was lernen.
- „[Chappelle] teilt aus gegen rechts, links, oben, unten, Demokraten und Republikaner, und man wird vermutlich diesseits wie jenseits des Atlantiks nicht so richtig schlau aus seinen politischen Ansichten„, heißt es ebenfalls in der SZ. 🤔
- Dann aber doch wieder zielgenau mit interessantem Take über Lisa Eckhart, diese SZ: „Die Schlagzahl an ‚Provokationen‘, auf denen allesamt ein Nostalgiefilter zu liegen scheint, ist so hoch, man könnte meinen, man sieht einem weiblichen Fips Asmussen bei der Arbeit zu. Eckhart kann die hohen Absätze ihrer Lederstiefel noch so entschlossen auf die Bühne knallen, einen doppelten Boden unter ihr gibt es nicht. Sie ist einfach eine Witzeerzählerin.“
- Comedian Ingo Appelt freut sich aus beruflichen Gründen über Donald Trump oder Wladimir Putin. „Das sind für Komiker einfach lohnenswerte Objekte“, sagte er der dpa. Ich möchte entgegnen: Nein, sind sie nicht und empfehle einen der allerersten Texte, die auf Setup/Punchline erschienen sind. Wir sind zur ewigen Wiederkehr des Gleichen verdammt.
- Mike Birbiglia spricht in seinem Podcast (schon älter, aber erst kürzlich im Podcastfeed veröffentlicht) mit Josh Johnson über Jokewriting. Hörenswert: Johnson geht es nicht um die „richtige Punchline“, sondern um das Finden der richtigen Struktur, damit die beste Punchline sich zwangsläufig ergibt. Traurig aber generell: Um Jokewriting geht es nur sehr am Rande. Solche Podcasts (und Birbiglias ist ja noch einer der besseren) dienen in erster Linie dem Networking und Brand-Building. Es sind Legitimations- und Sichtbarkeitsmaschinen, keine Comedy-Workshops. (Rest in peace, Ist das ein Bit?)
Schautipp: Professional Joke Explainer

Myles Anderson ist ein kanadischer Comedian, der den Youtube-Kanal The Professional Joke Explainer betreibt. Und es kann manchmal so einfach sein: Nicht die schlechten Witze von anderen geißeln, sondern gut finden. So entsteht ein ironisches Let’s-Watch-Format, das die Faulheit und Einfallslosigkeit vieler Comedians auf schmerzhafte Weise ausstellt: „That guy’s name is too short, and Max Amini notices this and points it out.“ Hier geht’s zum Kanal
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