Comedy in Deutschland: Überblick über die Szene

Trauriger Clown an der Wand: Comedy in Deutschland

Der traurige Clown der Nationen: Deutschland (Foto: Cristiano Firmani)

Was hat Deutschland humortechnisch zu bieten? Es gibt die Büttenreden im Karneval, es gibt die Mahnungen und Warnungen der Kabarettisten, auf Twitter gibt’s den allgemeinen „Lustigkeitshumor“ (W. Herrndorf) und im Fernsehen gibt’s die immergleiche sinnbefreite Blödel-Comedy. Und dann natürlich noch den hirnverzwirlenden, satirischen Debattenbeitrag à la Böhmermann. Das ist Comedy in Deutschland.

Daran ist nichts verwerfliches. Es ist nicht verboten, bei Kabarettisten zu lachen. Es ist auch nicht falsch, Mario Barth gut zu finden oder Genial daneben. Lustig ist, was gefällt. Und die Geschmäcker sind nun mal verschieden. Falsch ist aber sicherlich auch nicht: Stand-up-Comedy hilft dem Land gerade dabei, sich einen funny bone wachsen zu lassen. Oder vielleicht: wieder wachsen zu lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kleinkunstbühnen gegeründet, es gab die Showmaster wie Hein Rühmann. Es kamen die Kabarettisten mit ihren „spitzen Federn“ (aua!) wie Dieter Hildebrandt. Es gab die Titanic. Später kam das Privatfernsehen mit seinen Typen. Und dazwischen waberten immer Charaktere wie Loriot, Otto Waalkes oder Helge Schneider.

Comedy in Deutschland: Zwischen Botschaft und Nonsens

Es würde niemand sagen, dass die Humorgeschichte in Deutschland nicht vielschichtig und komplex ist. Aber sie ist teilweise eben auch: langatmig, schwer und sehr sehr ernst. Das Kabarett setzt auf das Primat der sinnvollen Botschaft, die Comedy im Fernsehen setzt auf das Primat des Nonsens. Und lange war dazwischen kein Raum für Zwischentöne. Dann kam Stand-up und mit ihr bekam Comedy in Deutschland: das längst überfällige Primat des Witzes.

Künstler wie Maxi Gstettenbauer, Hazel Brugger oder Shahak Shapira sind nicht mehr nur Insidern ein Begriff. Stand-up wird heute als Kunstform wahrgenommen. Als Handwerk, das jeder lernen kann und als Fähigkeit, an der jeder feilen kann. Ein Knochen, den sich jeder wachsen lassen kann.

Die Szene orientiert sich Blick geht eindeutig in den englischsprachigen Raum. Die Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime haben unzählige Comedy-Specials im Angebot, viele von von amerikanischen Künstlern wie Amy Schumer oder Dave Chapelle. Wem das nicht reicht, der schaut sich die Comedians halt live an. Bill Burr kommt mittlerweile auch nach Deutschland.

Das Stand-up-Open-Mic dient dem Comedian

Vor einem Jahr noch gab es außerhalb Berlins nur wenige Gelegenheiten als Comedian oder Comedienne aufzutreten. Heute liegt ein Netz an Shows über dem Land. Nicht nur in den Großstädten, Hamburg, Köln, München. Auch in Leipzig, Bamberg, Mannheim oder Plettenberg im Sauerland gibt es Veranstaltungen.

Das Prinzip dabei: Jeder darf auf die Bühne, sieben Minuten lang. Erfahrene Comedians, die an Gags feilen wollen. Oder Leute, die das zum ersten Mal ausprobieren. Das ist nicht neu. Man denke nur an den Sängerwettstreit, an die Form des Poetry Slams, an die Revuen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mehrere Künstlerinnen und Künstler bestreiten gemeinsam einen Abend.

Sollten diese noch durch Abwechslung dem Publikum dienen, dient das Stand-up-Open Mic im Grunde dem Comedian. Ein Mensch entblößt sich auf der Bühne. Das Publikum belohnt ihn mit Ehrlichkeit. Ehrlichem Lachen. Ehrlichem Schweigen. Und nimmt es nicht krumm, wenn mal was nicht lustig ist. Das ist der Deal. Der ganze Abend ist eine einzige Wundertüte. Das Publikum weiß nicht, ob es lachen oder peinlich berührt schweigen wird. Egal, wie die Antwort ausfällt: Man hat was zu erzählen.

Eine ausführliche Form dieses Beitrags mit Einblick in die konkrete Arbeit eines Veranstalters, einer Comedienne auf der Schwelle zum Erfolg und eines Comedians, der längst erfolgreich ist, findest du hier.

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