Comedy-Presseschau vom 26.11.23

(Foto: Museums Victoria on Unsplash)
  • Das ZDF möchte Humor- und Comedyformate „auf allen Feldern“ stärken, sagt Heike Hempel, Leiterin der Redaktion Film und Serie II (Serie I bedeutet dagegen ‚Vorabend‘ – glaube ich zumindest). Und: „Wir haben den Ehrgeiz, die erste Adresse für Kreative in Deutschland zu sein.“ Ob dieser Ehrgeiz auch darin besteht, zum Beispiel Drehbuchautor:innen angemessen zu bezahlen, möglicherweise schon vor Projektabschluss und sie nicht ewig in der Luft hängen zu lassen, wie es in Deutschland oft Brauch zu sein scheint, und ferner fairen Umgang auch von externen Produktionsfirmen einzufordern, ist noch ungewiss. Ich werde in der Zukunft mal nachfragen. Hier geht’s zum Interview bei DWDL.
  • Tötet das Internet lokale Comedyszenen ab? Denn, so räsoniert Jason Zinoman in der New York Times: „When everyone can see everyone else online, parallel thinking in jokes increases, and comics move to New York and Los Angeles quickly after viral fame, making coherent local identities harder to maintain.“
  • „Es gibt eine Regel im Geschäft mit der Komik: Sie altert meist schlecht“, schreibt Carola Padtberg im Spiegel und schaut drum mit Comedian Aurel Mertz Loriots Film Ödipussi. Loriot wäre vor kurzem 100 Jahre alt geworden. Und natürlich verdient sein Werk eine kritische Betrachtung.Ob allerdings Mertz dafür so ein guter Gewährsmann ist? Zwar ist der erfolgreich und gilt als modern, allerdings sagt er auch Dinge wie „Ich hau Sachen raus“, „kannst du gut ein Meme draus machen“ oder „könnte man genau so twittern“ – pflegt also ein Komiker-Mindset, mit dem man Loriot, der niemals irgendetwas einfach „rausgehauen“ hat, möglicherweise gar nicht so gut beikommt.

BIT-EMPFEHLUNG: Kawus Kalantar: Der Rassismus der Rassisten (2023)

Aus dem Special-Tipp wird ein Bit-Tipp und den Anfang macht eine Stelle aus Kawus Kalantars Special Mord in Berlin: Kalantar versteht es, seine Hörer:innen an der Hand ganz merkwürdige Wege entlang zu führen. Und das ohne Stolpern und ohne störende Nebengeräusche. Dann kauft man ihm sogar den aufrichtig besorgten Satz „Gerade Nazis, Mann, haben mega die Vorurteile“ ab. Ja, Rassismus ist schlecht, das wissen wir alle. Kalantar gelingt es, eine originelle Perspektive dazu einzunehmen.

  • Sätze, die man nicht alle Tage hört: „Wir haben deshalb beim Casting gezielt nach Schauspielerinnen und Schauspielern gesucht, die man in der Besetzung nicht direkt auf dem Schirm hat.“ Gesagt hat’s Jule Kleinschmidt, gemeinsam mit Sonni Winkler die Macherin des ZDF-Comedyformats Knigge & Co. DWDL porträtiert die beiden, die – für Deutschland noch eher ungewöhnlich – kein reines Autorinnen-Duo blieben, sondern ihrer kreativen Arbeit auch einen unternehmerischen Rahmen als „Storytelling-Unit“ gegeben haben.
  • Man solle die Wirkung von Satire nicht überschätzen, sagt El Hotzo der Rheinischen Post. Die ist ganz erstaunt. Satiriker, die nicht an die Wirkung von Satire glauben, wo gibt’s denn sowas? Naja, oder die Situation halt richtig einschätzen. Satire verändert eben nicht die Welt, sondern allenfalls das Bewusstsein.
  • Wie viel sollen Comedians auf Instagram oder Tiktok posten? Muss jeder selber wissen. Der britische Comedian Alistair Barrie gibt bei Chortle nur zu bedenken: „Das Internet stellt uns so viel Kultur zur Verfügung, was dem Publikum eine sehr schiefe Auffassung von guter Comedy geben kann.“ Und: „Mir wird oft gesagt, dass regelmäßig wahllos zu posten besser ist als unregelmäßig wohlüberlegt zu posten. Aber das bedeutet nicht, dass das zum Vorteil der Comedy ist.“ Glaubt hoffentlich auch wirklich niemand.
  • Bereits Anfang Oktober ist der Synchronsprecher Thomas Danneberg gestorben. (Hier zum Nachruf beim mdr) Er sprach etwa Arnold Schwarzenegger und John Travolta – und den italienischen Schauspieler Mario Girotti a.k.a. Terence Hill. Die Spencer/Hill-Filme haben oft gezeigt, wie viel Komik sich aus einer Synchronisation speisen kann. Aber die albernen Dialogbücher hätten nie so gut funktioniert ohne Sprecher wie Danneberg.

Lesetipp: Joan Rivers‘ Witzkatalog

Die US-Comedienne Joan Rivers war als harte Arbeiterin im Joke-Weinberg des Herrn bekannt. Mehr als 60.000 Witze schrieb sie und sammelte sie in einem Zettelkasten, was sie geschwind zur zweitberühmtesten Zettelkasten-Besitzerin der Welt macht (Platz eins halt immer noch er hier). Weil Rivers‘ Tochter den Jokebestand einem Museum vermachte, gibts in der New York Times einen kleinen Einblick.

Die Presseschau gibt’s auch als Newsletter, einfach hier anmelden:

Comedy-Newsletter

Alles zu Stand-up und Comedy: Szeneinfos und Empfehlungen zu Specials, Bits, Interviews, Essays, News, Podcasts und Serien.