Lexikon wichtiger Comedy-Begriffe

Wie jede Subkultur gibt es auch in der Stand-up einen eigenen Jargon für Comedy-Begriffe (Foto: Sebastian Wells)

Wie jede Subkultur verfügt auch Stand-up über ein Lexikon einen eigenen Jargon für Comedy-Begriffe (Foto: Sebastian Wells)

Wer bombt, wer killt? Wer hat gute punch-, wer gute taglines? Bits, sets, specials, wer hat gute tight five? So viele Comedy-Begriffe, so viel Unverständnis. Wer in die Welt der Stand-up-Comedy eintauchen will, kann sich schnell verloren fühlen. Jede Subkultur hat ihre je eigenen Normen, Regelbücher, Codes und ihren je eigenen Jargon.

Klar: Manchmal übertreiben es die Nerds in ihren Nischen sowieso mit dem (an sich ja verständlichen) Abgrenzungshabitus. Witze sollten selbsterklärend sein, aber manchmal will man ja vielleicht mitreden. Oder will verstehen. Oder traut sich schlicht nicht zu fragen. An euch alle richtet sich dieses kleine Kompendium. (Achtung: Diese Definitionen der Comedy-Begriffe sind nicht in Stein gemeißelt und changieren, je nachdem, wen man fragt. Sie dienen vor allem als Anhaltspunkte.)

ACT-OUT, der/das

Teil eines Witzes, bei dem der Comedian explizit in Mimik, Gestik, Haltung und Stimme einen anderen Charakter vorspielt. Folgt meistens auf das > Setup, Comedians spielen sich quasi „aus dem Witz raus“

BIT, das

Thematische Einheit in einem > Set; kleines Bündel an Witzen zu einem Thema; Bsp.: Hast du Comedian X gesehen? Die hat ein sehr schönes Bit über Seniorenstudenten.

BOMBEN

schwaches Verb; versagen auf der Bühne, sich keine Lacher abholen, schlechte bzw. nicht-zündende Witze über dem Publikum abwerfen, sodass dieses gezwungen ist, sich innerlich im Bunker zu verkriechen

BOUNCEN

schwaches Verb; gemeinsam > Bits durchsprechen

CALLBACK, der

Witz, der auf einen früheren Witz Bezug nimmt; Wiederverwendung einer Formulierung, die in neuem Kontext nochmal an Tiefe gewinnt

CROWDWORK, das (auch: die)

Teil eines Stand-up-Sets oder der Arbeit eines Moderators/einer Moderatorin, die aus improvisierten Unterhaltungen mit dem Publikum besteht. Kann superlustig sein, wenn kreativ und gekonnt.

HACK

Anglizismus!; bezeichnet (als Adjektiv) > Material eines Comedians, das schlecht, ausgelutscht, langweilig oder absolut absehbar ist. Bsp.: Witze über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind total hack. Dann auch in der Verwendung: hacky. Im Englischen auch als Substantiv gebraucht: You’re a hack!

HANG, der

Anglizismus; Kurzform von Hang-out; form- und zwangloses Zusammentreffen von Comedians nach einer Show; Bsp: Bleibst du noch zum Hang? V.a. im Berliner Raum gebräuchlich

HEADLINER

Geschlechtsneutral gebrauchter Ausdruck (Bsp: Sie ist Headliner.) für den letzten Comedian/die letzte Comedienne einer > Mixed Show. Der Name des H. steht am größten auf den Werbeplakaten.

HECKLER, der

Person im Publikum, die Comedians während ihres > Sets auf der Bühne stören, zum Beispiel mit Zwischenrufen oder blöden Kommentaren. Meistens sind H. sehr nervig und das Publikum genießt es, wenn Comedians sie deutlich in die Schranken weisen. Gehört die Sympathie des Publikums dem Heckler, hat der Comedian etwas falsch gemacht.

KILLEN

schwaches Verb; absolut abräumen auf der Bühne, das Publikum zum Brüllen bringen (vor Lachen)

LINE-UP, das

Alle auftretenden Künstler einer Comedy-Show, vergleichbar der Mannschaftsaufstellung im Sport

MATERIAL, das

die Witze eines Comedians

MIXED SHOW, die

Showformat, bei dem mehrere Comedians mit kürzeren, aber nicht ganz kurzen > Sets auftreten. Die C. werden eher von einem Veranstalter ausgewählt und sind keine Anfänger mehr. M. S. kosten meistens Eintritt.

NOTE, die

Anglizismus; Anmerkung/Ratschlag/Feedback unter Comedians, meist an einen konkreten Auftritt gebunden; z. B. Comedian nach Show zu anderem Comedian: Soll ich dir Notes geben?

ONE-LINER, der

Sehr kurzer Witz, der samt > Setup und > Punchline nur aus einer Zeile bzw. einem Satz besteht. Bsp.: I think it’s wrong that only one company makes the game Monopoly. (Steven Wright)

OPENER, der

Erster Comedian/erste Comedienne einer Show

OPEN MIC, das

Showformat, bei dem mehrere Comedians mit kürzeren > Sets auftreten. Meist sind hier alle Erfahrungsstufen willkommen, die Künstler bitten (z. B. in einer Facebook-Veranstaltung) um einen > Spot. Eine Minute vor Ablauf der Zeit bekommen die C. ein Zeichen, z. B. mit der Taschenlampe eines Smartphones. Die Shows decken ihre Ausgaben meistens über freiwillige Spenden.

PUN, der

extrem kurzer Wortwitz, der häufig nur auf Doppeldeutigkeit eines einzigen Wortes beruht. Kommt der englischen Sprachstruktur sehr entgegen, drum im Englischen als Kulturform weit verbreitet. Bsp: Atheism is a non-prophet institution (George Carlin); im Deutschen ungewohnt und teils merkwürdig (mutmaßlich, weil es nicht so viele gleichklingende Wörter mit verschiedenen Bedeutungen gibt?). Bsp: Wie nennt man es, wenn ein junger Mensch konstant laut schreit? Teenie-tus.

PUNCHLINE, die

Explizit geäußerter Teil eines Witzes, der in der Regel lustig ist und den Lacher auslöst. Eine Erklärung der bzw. Antwort auf die > Prämisse. Häufig verbunden mit einem > Act-out.

PRÄMISSE, die

Konzeptioneller Teil eines Witzes, der nicht notwendigerweise laut gesagt wird; eine scheinbar simple, gewöhnliche Idee bzw. eine grundlegende Ansicht; These, die verifiziert werden muss. In der Regel nicht lustig.

RIFFEN

schwaches Verb; Improvisieren von > Punchlines zu einer vorher festgelegten > Prämisse. Quasi Brainstorming zum Finden neuer > Punchlines. Erfahrene Comedians (z. B. Bill Burr oder Michael Mittermeier) r. auch mal live vor Publikum.

ROASTEN

schwaches Verb; Witze auf Kosten einer bestimmten Person machen. Die Grundhaltung ist dabei eine liebevolle. In Stand-up-Comedy weit verbreitet, mitunter sogar zum Showformat (dem Roast) gesteigert.

SET, das

Material, das Comedians bei einem Auftritt zusammenhängend auf der Bühne spielen. C. haben vielleicht viele Minuten Material, passen dieses aber auf das jeweilige Showformat an. Bsp.: Beim Open Mic hat Comedienne Y nur ihr Sieben-Minuten-Set gespielt.

SETUP, das

Explizit geäußerter Teil eines Witzes, der Thema/Ort/Zeit und Personen der Handlung klarmacht. In der Regel nicht lustig. Beim Publikum erzeugt das S. eine bestimmte Erwartung, die in irgendeiner Weise mit der > Punchline enttäuscht wird.

SPECIAL, das

Komplettes Programm eines fortgeschrittenen oder professionellen Comedians, mit dem er oder sie auf längere Zeit auf Tour geht. Hat meistens einen Titel, z. B. Sticks&Stones, Baby Cobra, Lieber Maxi als normal oder Da sagt der Grünwald Stop! Im englischsprachigen Raum sind S.s meistens einmal 60 Minuten lang, in Deutschland eher zwei mal 45 Minuten.

SPOT, der

Auftrittsmöglichkeiten bei einem > Open Mic oder einer > Mixed Show. Bsp.: Kann ich für die Show am Donnerstag bitte einen Spot haben?

TAGLINE, die

Zusätzliche > Punchline nach einer gerade erfolgten > Punchline. Braucht kein neues > Setup mehr und verlängert so den Witz.

TIGHT FIVE, die

Englisch für: eng (gepackte) fünf (Minuten); auf fünf Minuten kondensiertes > Set eines Comedians. Meistens das beste > Material. Um t. f. zu haben, brauchen Comedians natürlich mehr als fünf Minuten > Material.

TIMING, das

Fähigkeit von Comedians. Gespür für Pausen und den richtigen Moment, in dem Bestandteile eines Witzes geäußert werden sollten.

Mit Dank an Basti U. von Ja&Weiter und Basti Bargeld aus B. für die nützlichen Hinweise. Fehlen wichtige Comedy-Begriffe, die absolut unabdingbar sind zum Verstehen der Szene? Dann schreib mir gerne.